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…ein merkwürdiger Deal

Vor ca 2 Wochen hat uns ein Mitarbeiter der Agentur Pulsmacher angeschrieben. Es ging um die Ausschreibung eines europaweiten Graffiti bzw (wie Pulsmacher es nennt) Streetart Contest, es schien ein Auftrag der Agentur Pulsmacher für deren Kunden „Esprit“ zu sein. Die Anfrage bezog sich auf die Veröffentlichung und Kommunikation eines meiner Meinung nach sehr einseitigen Ausschreibungsverfahrens zu welchen Künstler aufgerufen werden zu sehr fragwürdigen Konditionen aktiv zu werden . Aber fangen wir von vorn an, die Pulsmacher Anfrage erklärte uns einige Dinge…

Offiziell lautet die Pulsmacher Ausschreibung wie folgt:


„Die Event- und Promotionagentur pulsmacher GmbH sucht für einen Kunden aus der Textilbranche Künstler für einen Streetart-Contest in folgenden Städten: Berlin, Hamburg, Köln, Wien, Zürich, London, Brüssel, Amsterdam, Paris, Kopenhagen und Madrid. Die Gewinner aus der jeweiligen Stadt haben die Möglichkeit ihr Motiv für ca. 6 -12 Monate auf einer zentrumsnahen Wandfläche zu präsentieren (ca. 3m x 3m). Zusätzlich wird es im Rahmen dieser Kampagne ein eigens designtes T-Shirt des Künstlers
geben.

Bewerbung:
1 Wandmotiv und 1 T-Shirtmotiv
sowie Kontaktdaten bitte bis zum
31.März 2008 an
ovcar@pulsmacher.de

Einige Fragezeichen hatte ich dann schon im Kopf nachdem ich das gelesen hatte.Was hat der Künstler davon, was passiert mit den Shirts, wie wird das Ganze weiter verwertet. Irgendwas an dieser Anfrage hat mich zwar neugierig gemacht, eher darauf wer dahintersteckt und wie man mit den Künstlern letztendlich umgehen will. Es hat sich herausgestellt, die Agentur Pulsmacher hat vorher noch nie etwas derartiges gemacht und auch keinerlei Recherche betrieben. Es wurden Forenaufrufe bei Graffitiforum.de oder MZEE.com gemacht, und eben auch wichtige Portale wie unsere Website es ist angefragt diesen Contest zu bewerben. Wi rhaben uns dagegen entschieden. Nicht weil uns das zu kommerziell ist, nein das sind viele Eventreihen und Contests auch, mich stört diese Einseitigkeit und das äusserst fragwürdige Niveau auf welchen Marketing betrieben wird. Aber ich fragte weiter nach und habe dieses Schreiben erhalten:

des Künstlers Kosten:
– der Künstler hat keinerlei Kostenausgaben
– Equipment, Farben usw. werden gestellt
– keine Anreisekosten (enventuell per air)
Des Künstlers Benefit:
– jeder Künstler wird mit Motiv und Steckbrief durch ein Streetartbuch in allen europaweiten Espritstores (cashdesks) der Öffentlichkeit dargestellt
– die Gewinner der Streetart, designen ihr eigenes t-shirt für esprit (entweder streetart-motiv oder ein anders motiv/Name des Künstlers)
– Verguetung erfolgt im vorfeld durch vertraglich fixierte branchenuebliche buy-out vertraege nach rechtlichem ermessen
Ablauf Streetart bei Durchfuehrung:
– am Tage der Durchfuehrung erfolgt eine vor ort Betreuung durch Pulsmacher fuer den Kuenstler
– Dokumentation durch die oertliche Presse
Ablauf Streetart nach Durchfuehrung:
– Erstellung des Streetartbuch
– Motiv der Kuenstler
– Portfolio der Kuenstler nach Vereinbarung
– Ausgabe des Buches an alle europaweiten Espritstores (cash-desks)
– Veroeffentlichung der motive & details zum Kuenstler auf der internetseite esprit.com
– Sreetartmotiv wird ca. 6 – 12 monate der oeffentlichkeit dargestellt
Mehrwert Kuenstler:
– der kuenstler hat die moeglichkeit seine kunst bzw. talent populaer zu machen
– plattform fuer kuenstler, dies sich eigentlich so nicht bezahlen laesst

Und plötzlich hatte ich noch mehr Fragezeichen im Kopf. Ich habe nach Details gefragt, zum Beispiel irgendeine Möglichkeit der finanziellen Entlohnung für die Künstler erfragt, diese aber ist laut Pulsmacher nicht geplant. Selbst bezüglich der Produktion und Vermarktung eines dazugehörigen Buches über diese Aktion sollen die Künstler in keinster Weise entlohnt werden, ach doch: „man kann sich präsentieren und seinen Marktwert steigern.“ Des Künstlers Marktwerte entstehen also durch die Bereitstellung der eigenen Kreativität zur freien Verfügung? Ich zitiere nochmal: „Eine Plattform fuer Künstler, die sich eigentlich so nicht bezahlen laesst“ Irgendwas verstehe ich daran überhaupt nicht. Ich fasse zusammen:
  • der Künstler erstellt eine exklusive Grafik für Esprit
  • diese wird auf ein Esprit Shirt gedruckt (btw: die Auflage der Shirts ist noch nicht bekannt)
  • es gibt zwar eine vertragliche Regelung aber diese beinhaltet keine finanzielle Vergütung sondern die Abtretung der Rechte
  • es wird ein Buch geben mit welchem Esprit das Ganze doumentier, dem teilnehmenden Künstler wird dieses Buch als Leistung angeboten. Als einmalige Chance sich zu präsentieren
  • es soll wohl eine Wand gemalt werden, das Material wird gestellt, nach Fertigstellung dient diese speziell für diese Ausschreibung. Also ein in Auftrag gegebenes Artwork, auch hier argumentiert man mit der Bewerbung und der späteren Integration eines Künstler Steckbriefes im Buch
  • nach nochmaligen Nachfragen erfuhr ich, das nicht geplant ist ein bestimmtes Kontingent an Frei TShirts dem Künstler selbst für eigene Zwecke zur Verfügung zu stellen

Ich finde es schade wie ein Label wie Esprit einer kreativen Gruppe gegenübertritt. Ich denke Feingefühl und vor allem eine optimierte Aufteilung der Interessen beider Seiten hätte diesen Contest sicher interessant gemacht, denn das hier viel Geld ausgegeben wird ist offensichtlich, für sehr viele Faktoren ist wohl budgetiert worden. Der Künstler selbst wurde hier nur überhaupt nicht berücksichtigt. Ein merkwürdiger Deal wie ich meine. [TWISTER-ILG Team]

Posted: 16. März 2008