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RUEDI ONE Interview [DEUTSCH] 08/2009

Wer unsere Suchfunktion oben rechts öfters nutzt und dort mal „Ruedione“ eingibt wird fast 30 Einträge finden, ob über sein bald erscheinendes Buch „Backflashes“, Event Dokumentationen, Ausstellungen mit Smash137 und Co, es gab schon vielerlei Gründe der Erwähnung hier bei uns auf ilovegraffiti.de. Daher haben wir ein Interview mit dem Heidelberger angefragt und herausgekommen ist ein interessanter Smalltalk über seine Leidenschaft zu fotografieren und vieles mehr. Ruedione Interview (deutsch) lesen / english

Ruedi, stell Dich uns mal kurz vor bitte, auch wenn viele bereits wissen mit wem wir hier sprechen

Ruedione lese ich mich und ich wurde 1975 in dem kleinen Städtchen Heidelberg geboren, wo ich heute noch lebe. Ungefähr 1992, habe ich angefangen meinen Namen auf viele Flächen zu schreiben, was dann gegen 1997-1998 aufgrund meines Jobs sehr langsam wurde. 1993 hatte ich bereits angefangen Sprühdosen zu verkaufen, damit ich meine Dosen „umsonst“ hatte. Daraus wurde dann 1996 ein offizieller Job, der etwa zeitgleich mit dem Eintreten von ersten Gehältern auch meine Schreibmöglichkeiten massiv beeinflusste, da einfach nicht mehr genug Zeit da war. Etwa im Jahr 2000 habe ich meine Leidenschaft an der Fotografie entdeckt und habe diese dann auch recht schnell ausgebaut. Die Dosenfirma ist heute verkauft, wobei ich noch auf Teilzeit als Geschäftsführer dort arbeite. Ich habe mit einem Partner, Freund und Crew-Mate eine Agentur für Fotografie gegründet und arbeite sehr viel an eigenen fotografischen Projekten.

Wo kann man sich über Ruedione ein Bild machen im Internet?

Seit ein paar Tagen habe ich einen Blog ansonsten gibt es momentan kaum etwas zu finden. Aber ich werde mit dem kommenden Tagen eine neue Seite ins Netz stellen, die etwas mehr Informationen beherbergen wird.

Das nächste Buch wird, soweit man das herauslesen kann, ein finales Dokument dessen sein was Dir in den letzten Jahren vor die Linse gekommen ist. Es wird illegales Graffiti dokumentiert richtig? Erzählst Du oder eine andere Person in dem Buch eine Geschichte bzw wird es Textinhalte geben?

Das Buch heißt „BACKFLASHES – Graffiti tales“ und zeigt eine Serie an der ich von 2002 bis 2008 gearbeitet habe. Um es in kurzen Worten zu schildern, könnte man sagen, dass ich versucht habe ein Gefühl, das mich jahrelang nächtlich nach draußen gezogen hat, zu visualisieren. Es gibt ein Intro und ansonsten habe ich schon seit geraumer Zeit Zitate zu diesem Thema von befreundeten Writern gesammelt. Bei den Bildern liegt der Fokus auf dem Feeling und die Titel lassen erkennen wo und wann dieser Moment stattfand. Die Zitate sollen der Szene über meine Interpretation hinaus noch als Sprachrohr gelten. Ich hatte gezielt darauf geachtet Zitate von weltweit aktiven Writern einzusammeln, um zu betonen, dass dieses Gefühl von einer internationalen Community gelebt und zelebriert wird. Daher habe ich weltweit diese Momente eingefangen.

Du meintest in einem persönlichen Gespräch dass dieses Buch quasi das Kapitel rund um dieses Thema vorerst abschliesst, warum willst Du diesen Cut machen?

Für mich ist der Projektcharakter meiner Serien sehr wichtig. Der Grund, warum ich sie schieße ist primär ein persönliches, inneres Bedürfnis, aber auch das Schaffen eines Werkes, das mich überstehen kann. Ich denke, es macht Sinn sich Anfangs- und Endpunkte zu setzen, um maximal zu performen. Ich habe jetzt 6 Jahre an dieser Serie gearbeitet und ich denke es wurde langsam Zeit mich auf weiteres zu fokussieren. In der Regel arbeite ich parallel an mehreren Serien/Projekten und aktuell konzentriere ich mich auf eine Portrait-Serie. Diese hatte ich auch schon 2003 gestartet, werde jetzt aber noch 2-3 Jahre brauchen…und ich freue mich bereits schon wie ein kleines Kind auf das nächste Buch. Damit ist zwar das Kapitel BACKFLASHES fotografisch vorbei, jedoch heißt es nicht, dass es komplett beendet ist. Erzähl mal einem Raucher er solle sich nach 16 Jahren genussvollen Rauchens, auf das Teetrinken konzentrieren.

Was ist Deiner Meinung nach der Punkt bei derartigen Büchern, wer kauft solche Bücher und mit welchem Interesse?

Das ist zwar nicht die Antwort, die mein Verleger hören will, aber in erster Linie ist es mir egal, da ich es für mich gemacht habe. Sprich, ich habe bei dem ganzen Projekt keinen Gedanken verschwendet, wie ich das Produkt so gestalten könnte, dass es sich besser verkauft…..ok…vielleicht beim Cover am Ende…das muss aber auch viel kommunizieren. Aber mal abgesehen von der Befriedigung meines eigenen Egos (war eben auch ein Writer) denke ich, dass es auf der einen Seite für Writer, auf der anderen Seite für Leute interessant ist, die von dem Ganzen keine Ahnung haben, aber gern mal in diese Welt eintauchen würden. Ich habe auch so ein bisschen die Vision, dass in 20 Jahren eine Reihe Väter dieses Buch aus dem Regal ziehen und ihren Söhnen zeigen, um zu demonstrieren, was sie so früher gemacht haben. ich denke rein das Blackbook kann dieses Gefühl nicht in der Form kommunizieren.

Wie wir wissen stehen bei Dir zum Beispiel Gesichter der Personen auf den Fotos im Gegensatz zu Müllers „Blütezeit“ nicht im Vordergrund. Worauf achtest Du vordergründig wenn Du Fotos machst?

Es geht rein um das Gefühl…die Spannung, die Anspannung, das Abenteuer, die Freiheit…alles andere ist nur Beiwerk und Requisite in diesem Werk. Natürlich freut es mich umso mehr für die Jungs, die auf den Bildern sind, einen Teil ihrer persönlichen Geschichte festgehalten zu haben. Daher werden alle Beteiligten neben Büchern auch Prints von mir erhalten.

Was ist das Herausstellungsmerkmal von ruedione? Was macht diesen Fotografen einzigartig?

Wer oder was ist schon einzigartig? Was mich und meine Fotografie ausmacht ist, dass ich mich schnell in Situationen fotografisch und technisch zu Recht finde und noch dazu schneller bin. Aber ich bin mir sicher, es gibt da draußen Etliche die noch schneller sind.vielleicht ist meine „Oldschool Einstellung“, man muss sich Dinge selbst erarbeiten, noch ein Bonuspunkt. Dieser hält mein Schiff länger auf Kurs. Zu Zeiten von käuflichen Sketchbooks und Writern, die innerhalb von 2 Jahren unglaubliche Skizzen zaubern (wenn man davon absieht, dass es eben meist nur Kopien sind) ist das glaube ich eher ungewöhnlich. Der Schritt zu kopieren scheint mir heute generell für viele verlockender als noch vor 10-12 Jahren. Das schafft aber keine Meister sondern nur Klone.

Du hast schon sehr viele Menschen fotografiert, von den New Yorker Old School Größen über CanTwo bis hin zu Hochzeiten, Festivals, Modekatalog Aufnahmen etc pp. Wie lang ist der Geduldsfaden bei solchen Shootings, nicht jeder will immer so wie Du das gern möchtest oder?

Die Hochzeit von CANTWO war schon witzig…Ich hatte noch kein Shooting, das das „Modell“ abgebrochen hätte. andersherum genieße ich Shootings sehr, muss aber auch sagen, dass man sehr gut merkt wenn die Luft draußen ist und wann man eben zum Ende kommen muss.Klar gibt es Leute die eher schwierig sind, aber dass ist Teil des Spiels auf das man sich einlässt.

Erzähl uns mal mehr zum Atom Video „Stahlbeton“, beeindruckende Arbeit bytheway, kommt da noch mehr bzw hast Du in der Richtung weitere Projekte durchgeführt?

Ja, ich hatte mehrere Jahre immer mal wieder mit Videos experimentiert, aber erst vor einem Jahr meinen technischen Weg gefunden, dass ich auch meinen fotografischen Stil beibehalten konnte. Grundsätzlich werde ich zu allen meinen Serien immer wieder kleine Clips drehen, die bei Ausstellung als Videoinstallation das Gesamtbild auflockern sollen.

Welches Equipment nutzt Du und wieviel Geld investiert man in ein derartiges Hobby welches in Deinem Fall ja längst zum Job geworden ist?

Ich denke, das ist sehr unterschiedlich und abhängig von der Einstellung. Ich will das Medium im Ganzen beherrschen, da ich erst dann frei arbeiten kann. Meine Devise war schon immer „ausprobieren“ und hätte ich nicht vor ein paar Jahren eine Firma verkauft, hätte ich das Testen auf dem Level nie so betreiben können.Um es mir schön zu reden, habe ich mir immer gesagt, dass dies meine nicht absolvierte Ausbildung kompensieren soll, was es faktisch auch getan hat. Sozusagen ein zweites Standbein. Dadurch, dass ich einfach von der Miniknipse bis hin zur Fachkamera alles bedienen kann, aber vor allem auch schon eingesetzt habe und einsetze, treffe ich nur ganz selten inspirierte Fotografen, die sich technisch auf meinem Wissensniveau befinden…..und das ohne Studium. Man braucht kein Spezial-Equipment, um gute Bilder zu schießen. Die billigste Kamera in der Hand eines Meisters macht geniale Bilder. Man muss die Technik nur beherrschen und wissen was man will bzw. wissen was sie kann und was nicht.

Warum favorisierst Du schwarz/weiss Fotos, scheint uns zumindest so oder? Gibt es dafür einen Grund?

Schwarz/weiß reduziert auf die Formen, in meinem Fall auf das Wesentliche, das ich zeigen will. Es gibt auch Serien die zwingend Farbe brauchen, aber das ist in meinen Augen nur selten der Fall. Mir geht es um das Transportieren von Emotionen, weniger um die reine Doku. In der wäre schwarz/weiß heutzutage nicht mehr einsetzbar. Ich nehme mir die Freiheit aus meiner Sicht optimal zu arbeiten.

Momentaufnahmen im Graffiti und Streetart Bereich findet man fast täglich neue, seit Jahren kommen viele Fotografen nach. Ozkar zum Beispiel, Nils Müller sogar mit einem Buch, Mihajli C.aus Wien und so viele mehr welche wir vielleicht gar nicht alle kennen. Verfolgst du das insofern das zeitlich möglich ist?

Nicht wirklich, was aber auch oft an dem zuvor angesprochenen Phänomen liegt. Ich denke der Einzige aus dem ganzen Zirkus, dem ich 100% Respekt zugestehe ist Alex Fakso, da er zum einen das Ganze schon am längsten betreibt und zum anderen auch einen eignen Stil hat, der in meinen Augen auch sehr gut zu ihm als Person passt. Ich weiß, Ozkar macht das auch schon länger, aber ich kenne ihn und seine Arbeit nicht wirklich und kann daher diese nicht kompetent beurteilen. Die Armee von Jüngeren, die einfach das nachfotografieren was andere ihnen vorfotografiert haben, kann ich nicht in den ernst zu nehmenden Kreis aufnehmen. Wenn ich höre, dass dies eben ein neuer Trend ist, dann bin ich froh, nicht ein Teil dieses zu sein. Sollte morgen jemand dieses Thema ernsthaft und mit einem eigenen Stil fotografieren, würde mich das sehr freuen und er würde meinen vollen Respekt erhalten. Leider habe ich in den letzten 2 Jahren nur viele Mitläufer gesehen.

Vielen Dank für das Interview, das Buch kann man wo und vor allem wann kaufen?

Es sollte jetzt, denke ich, Oktober-November draußen sein und dann kann man es weltweit kaufen, unter anderem auch bei Stylefile (edit: Preview auf Stylefile hier)

Links:
Ruedione Blog: Link
Ruedione Website: Link
Backflashes: Link


Posted: 1. August 2009