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PERSUE Interview [DEUTSCH] 09/2009

Persue von den StickupKidz, den COD´s und der Seventh Letter Crew hat uns einige Fragen beantwortet, herausgekommen ist ein Interview mit einem wirklich besonderen, motivierten Writer aus den Staaten und ganz klaren Zielen. Was uns Persue über seine Anfänge vor 20 Jahren, Bunny Kitty, VOX, seine Sneaker Projekte, Fashion oder auch seine Reisen nach China sowie das Exchange Projekt erzählt hat gibts nach dem Jump (english version)

Persue, kurz bitte ein paar einführende Sätze von Dir bevor wir weitere Fragen stellen

1988 habe ich begonnen Persue zu malen. Ich war damals 17 Jahre alt und in der High School. Ich bin ein Writer aus den Suburbs von San Diego, Kalifornien und bin durch einen meiner Klassenkameraden dazu gekommen. Es ist verrückt, wenn ich darüber nachdenke, dass das schon über 20 Jahre her ist. Ich habe nie aufgehört, seitdem es mich damals gepackt hatte. Für mich war es denke ich easy, meine Zeit der Kunst und dem Lifestyle zu widmen. Ich war schon immer kreativ und ich konnte mir nie wirklich vorstellen mein Leben anders zu leben. Klar wollte ich gern in einer Rock’n Roll Band sein, ins Fernsehen kommen bzw. sogar Fußballer werden. Zugegebenermaßen lebe ich mein Leben quasi im Rock’n Roll Lifestyle. Ich bin sozusagen in einem Wohn-/Arbeitsverhältnis mit der Skateboard-Industrie und habe mit den Spitzen der Skateboard-Welt zusammengearbeitet. Ich bin mit ihnen gereist und habe auf dem ganzen Weg immer Graffiti mitgenommen. Ich habe Businesstrips gemacht und dadurch eine Menge Kontakte mit Writern in jeder Stadt geknüpft. Ich reise, damit ich malen kann. Das ist das Schöne an unserem weltweiten Netzwerk. Ich habe viel gesehen und erfahren bei dem, was ich tue. Das hat mich zu der Person gemacht, die ich jetzt bin.

Kommen wir zu Deiner bzw Deinen Crews, was bedeutet es für Dich eine Crew zu haben? Welchen Stellenwert hat es für dich ein Teil von SUK zu sein?

Das ist eine gute Frage, denn ich denke, dass es ganz verschieden von Mensch zu Mensch ist. Für mich gab es einige Gründe. Ich bin ein Teil verschiedener gleichermaßen wichtigen Crews. Was SUK angeht – Seit vielen Jahren schon sind CanTwo und ich befreundet, er hat mich 1998 in die Crew aufgenommen. Wir empfanden von Anfang an eine gegenseitige Bewunderung für die Arbeiten des Anderen. In meinen Augen ist CanTwo einer der besten Writer. Es ist mir eine Ehre mit ihm in einer Crew zu sein. SUK stehen ja auch in enger Verbindung mit TMD aus Neuseeland, ein echtes Kraftpaket mit vielen sehr guten Writern der Szene von heute. Manchmal fühlt man sich ein bisschen komisch der einzige amerikanische Vertreter zu sein, haha.

Du bist auch Teil von COD mit Wane oder auch Bates richtig?

Ja richtig, COD hat auch in den letzten 13 Jahren den größten Einfluss auf mich und meine Entwicklung zu dem Style gehabt speziell den ich heute noch male. Wane hat mich 1996 in die Crew reingeholt. COD, eine Crew aus der Bronx, die damals von einem Musikproduzenten namens Michelobb ins Leben gerufen wurde. COD war eine der letzten Crews, die noch wirklich die New York Transit Line in den 80ern malte. Wane hat mich gepusht, meine Buchstaben zu entwickeln und und und. Mit ihm habe ich das meiste gemacht. He’s my brother from another mother. Wir haben schon ne Menge scheiss zusammen gemacht. COD hat heute ne Menge zu bieten, mit Enue, Reas, H.L. ROC, Bates, Jaes, Virus, Doves, Dash, OiL (R.I.P.), Goal, Sabe, Ghost, Crazy Wen und Ket sind wir gut aufgestellt, um nur einige zu nennen. Diese Jungs motivieren mich schon stark!

Und Du bist auch Mitglied bei Seventh Letter, wie kam es dazu?

Ja Seventh Letter – Ich habe Eklips in den 90ern getroffen. Ich erinnere mich an das erste Treffen mit ihm, in der AWR Motor Pit. Zusammen mit Quasar, meinem damaligen Mentor. Wir waren gerade dabei was Großes zu machen, als Eklips ankam, um im Pit für Ordnung zu sorgen. Er fragte uns, wer wir sind und wollte wissen, wer uns erzählt hätte, dass wir dort malen dürften. Ehrlich gesagt war ich ein wenig nervös. Er hatte schon einige Pieces von Writern gecrossed, die er nicht im Pit haben wollte, aber irgenwie hatte er dann bald eine bessere Meinung von uns und wir lernten uns kennen. Es war dann 15 Jahre später als ich dann immer häufiger auf ihn traf, Kunstevents etc. Revok war es dann letztendlich welcher mich mit den entsprechenden Leuten bekannt gemacht hatte. Ich habe bis zu diesem Zeitpunkt schon ne Menge gemacht an der Westküste.

Was ist eigentlich Seventh Letter? Eine Crew oder ein Zusammneschluss mit kommerziellen Hintergründen?

Seventh Letter ist eine Ausweitung von AWR/MSK, geht aber eben schon mehr Richtung Musik, Videos und Skateboarding Projekte. AWR/MSK gehören ja eine Menge sehr guter Writer an, das wurde dann eben mit Seventh Letter vereint und heute entsprechend kommuniziert. Eine weitere Crew welcher ich angehöre ist die T.V.C – meine neue Familie in San Diego. Die Jungs haben sehr viel gemacht in und um San Diego, Kyzer, Flynt, Jale, Fokis, Herion, Peng (R.I.P) und Kwest. Seit es die Crew gibt, seit 17 Jahren quasi, habe ich hin und wieder was mit denen gemacht, heute sind die Jungs immer noch gute Freunde von mir!

Crews scheinen Dir schon sehr wichtig zu sein oder?

Ja schon. Aber neben den Crews und auch bevor ich in die Crews reingekommen bin hatte ich schon viele Erfahrungen gesammelt und mit vielen talentierten Writern gemalt, ohne auf Crewangehörigkeit und Politics zu achten. Einfach, um es zu machen und Spaß daran zu haben. All diese Leute haben mich in gewisser Hinsicht beeinflusst, egal ob wir nun in derselben Crew sind oder nicht. Am Ende haben wir den gleichen Stress, werden zusammen gebustet etc. Das ist eben meine Bestimmung und der Weg, den ich gehe, den ich mir aber auch selbst ausgesucht habe. Nicht jeder wird das genauso sehen oder erleben. Mein Kumpel Aroe HA/MSK hat einmal gesagt, egal in welcher Crew ich war, die Leute wollten meinen Stuff sehen. Das war wichtig für die Kultur und gleichermaßen ein großes Kompliment. Trotzdem weiß ich, dass ich ohne meine Crew und meine Freunde nicht wäre was ich heute bin.

Du bist ziemlich rumgekommen in letzter Zeit, China zum Beispiel. Was denkst du über das Land und gibt es dort deiner Meinung nach eine sogenannte Graffiti-Bewegung? Gibt es Storys?

1995 habe ich begonnen außerhalb der Staaten zu reisen. Mein erstes Ziel war Norwegen. Dort habe ich auch Goal AIO,COD zu erstem Mal getroffen. Ich bin einfach hingefahren und in der ersten Nacht ging es sofort los! Um 99 herum habe ich angefangen Asien zu bereisen, wegen meiner Schuhgeschäfte. Ich war in Korea, dort habe ich aber nicht viel gemacht, außer einige Streettags und ein paar Silvers in Pusan. Zu der Zeit habe ich dann die Firma, für die ich arbeitete verlassen und einen neuen Job begonnen. Ich ging für Vox dann nach China. Im Grunde genommen war der erste Writer, den ich in Hong Kong kennenlernte Redy, ein Mädchen, die sich sehr gut auskannte. Durch sie traf ich dann mehr Writer in Hong Kong. Hong Kong ist das Hollywood Asiens. Die Stadt schläft nie und sie ist so gefährlich, wie du sie machst. Zur Zeit arbeiten Redy, Xeme und Sinic gerade an einem Magazin namens Invasian. Es handelt sich dabei wirklich um ein großartiges Graff Mag. Sie fragten mich, ob ich die „Wall Lords Competition“ Ende 2008, in Shenzen, China judgen wolle. Sie wollten zwei Judges und wer wäre da besser geeignet gewesen, als Rime. Also habe ich ihn gefragt und er war dabei. Rime und ich haben eine Videodoku von unserem Trip rausgebracht. China’s Szene besitzt Potential, besonders in den größeren Städten. Die amerikanische Kultur spürt man aber in Anbetracht der Tatsache, dass das Leben da draußen wirklich hart sein kann, ist das letzte, woran die Jugend gerade denkt, rauszugehen und viel zu malen. Das was zählt ist zu überleben. Farbe kostet Geld und falls du dich aufmachst da draußen zu klauen, solltest du lieber nicht erwischt werden, sonst könnte es passieren, dir wird eine Gliedmaße abgenommen.

Wie groß kann man sich denn eine „Szene“ dort vorstellen?

Mir wurde gesagt dass es ind der 5 Millionen Metropole nur 20 aktive Writer gäbe. Dort gibt es keinen Beef und auch keine Politics. Ich denke es wäre Dope, würden mehr Writer aus Amerika und Europa regelmäßig rüberfahren, um gemeinsam was mit den Künstlern dort zu machen. Das würde die Szene motivieren und voranbringen. Dezio aus Frankreich wohnt und arbeitet drüben. Er rockt’s, ein großartiger Styler. Es gibt eine Menge guter Writer in Asien, man muss nur die Augen offen halten.

Erzähl uns mal bitte etwas mehr zu den Sneaker-Designs, die du gemacht hast? Wie kam es dazu?

Ich habe nach der Highschool damit angefangen. Ich arbeitete in Deli und zeichnete bzw. malte in meiner Freizeit immer. Ich hätte rausgehen und bis aufs letzte Party machen können, doch stattdessen wollte ich an meinem Gewerbe, der Kunst arbeiten. Ich habe mir keine Gedanken über Mädels gemacht, die waren sowieso immer um mich herum. Ich habe einige ganz gute gehabt. Ich habe viele Nächte durchgezeichnet, hart gearbeitet, bis ich von einem Unternehmen mit dem Namen Eightball entdeckt wurde. Die hatten ein großartiges Skateteam unter sich. Dazu gehörten Jungs wie Danny Way, Sean Sheffy, and Alphonzo Rawls. Die waren auf eine Art Streetart aus, also habe ich denen ein Bild gemalt. Das T-Shirt wurde damals gut verkauft, weshalb sie mehr von mir gestaltet haben wollten, also machte ich weiter. Dann wurde DC, Dub und Droors ins Leben gerufen und ich verhalf den Marken zu ihrem Look. Von da an traf ich immer mehr Leute, da dass, was ich zu dieser Zeit aufs Papier brachte hip und fresh war. Es eröffneten sich demnach immer mehr Möglichkeiten. Ich begann mit Skateboard Grafikschnitten. Das machte großen Spaß, noch bevor die Leute Computer dafür nutzten um zum Beispiel Farben zu trennen. Als die Leute das herausfanden, wurde viel Geld in der Schuhbranche gemacht, viele Unternehmen kamen auf eimnmal aus ihren Schneckenhäusern heraus. `96 habe ich Osiris rausgebracht, `99 dann Circa. Im Grunde gab ich den Namen und entwarf das Circa Logo. Ich bin in das Schuhgeschäft hineingerutscht, da ich genug davon hatte Boards zu bemalen, denn auch auf Grund der vielen Skateboard Marken und der damit steigenden Konkurrenz, warst du gezwungen deine Grafiken immer schneller zu verändern. Ich hatte das Gefühl mich zu wiederholen und wollte etwas Neues lernen. Deshalb begann ich `99 damit Schuhe zu bemalen, wobei ich die Bilder persönlicher hielt. Heute bin ich Geschäftsfüher von Vox und trage Verantwortung für alle möglichen Bereiche. Nicht nur für das Designen der Produkte, ich kümmere mich auch darum, dass das Geschäft gut läuft. Wenn die Umsätze am Ende nicht stimmen, muss ich den Kopf dafür hinhalten. Aber es läuft alles gut, da wir eine durchdachte Strategie haben. Ihr könnt das hier unter voxfootwear.com checken. Wir gestalten im Moment eine großartige Reihe mit einigen Mitgliedern von 7th Letter, Ewok, Steel, Ryes, Push, Young K und Eklips werden Mitte November Modelle rausbringen, also haltet die Augen offen.

Dein Style hat sich in den vergangenen Jahren verändert, wovon wurde Persue beeinflusst? Ich meine, gab es da irgendeine bestimmte Inspiration?

Ja,also ich persönlich dachte in den ersten 10 Jahren, ich hätte keinen Stil. Ich habe gute Character und einige gute Pieces, bei mir lief es also andersherum, denn ich versuchte mehr meine Characters zu verbessern als meine Buchstaben. Wenn du anfängst zu malen, kannst du normalerweise zuerst die Buchstaben.`96 bin ich dann durchgestartet. Ich bin wirklich einige Schritte zurück gegangen, um meine Herangehensweise an Dinge neu zu entwickeln, wobei vieles hauptsächlich von Wane kam.

Ich hatte 10 Jahre auf dem Buckel, aber zu noch nichts Großem beigetragen. Manche Leute würden dies bestreiten, andere würden zustimmen, aber so war es. Ich habe mit vielen großartigen Writern gemalt, sie waren es, die mich zuerst geprägt hatten. Danach habe ich viel Inspiration durch Musik und meine Reisen bekommen. Ich denke noch immer, dass ich nach wie vor auf der Suche nach dem perfektenStyle bin. Aber wie war das, wird das jemals aufhören?

Ja, eine neverending Story, sag mal wir surfen grad auf deiner Website, BunnyKitty? Was ist das?

Bunny Kitty war etwas, womit ich 2001 begonnen habe, das war als das Konzept entstand. Ich bin einfach darüber gestolpert. Zu der Zeit habe ich mich absolut nicht nach einer neuen Sache umgeschaut, aber als das Konzept dann fertig war, sah ich darin etwas ganz besonderes und nicht zu verleugnen auch Reizendes. Zuerst machte ich Sticker, später malte ich Bunny Kitty in den Straßen. Zuerst habe ich den Namen nicht zum Character dazugeschrieben, das kam erst später. Ich wollte, dass Bunny Kitty auf ihren eigenen Füßen steht und das tat sie auch. Als der Character immer häufiger wahrgenommen wurde, integrierte ich sie in meine Pieces, entwickelte T-Shirts und Accessoires gemeinsam mit meinem Partner Tweezers. Wir machten eine Menge Shows und reisten so viel wie möglich um das was wir hatten entstehen lassen zu promoten. Ich habe eine Geschichte geschrieben und habe noch mehr Character dazu kreiert, damit ich nicht ganz so oberflächlich rüberkam, wie wenn ich nur Bunny Kitty genutzt hätte. Es ergeben sich immer neue Projekte mit Bunny Kitty, auch wenn ich nicht Vollzeit daran sitze, so arbeite ich kontinuierlich mit ihr weiter. Bunny Kitty steht für mich und für gute Zeiten.

Bunny Kitty repräsentiert ebenso meine Familie, Freunde und Abenteuer, die ich erlebt habe. Ich denke auch, dass es eine Möglichkeit ist, Zugang zu Leuten zu finden, die nichts mit Graffiti zu tun haben, da die Geschichte und auch die Characters gut entwickelt sind. Sie könnten Graffiti also als eine negative Kunstform ansehen, die sich zu einer positiven entwickelt hat. Am Ende wollte ich nur inspirieren und selbst inspiriert werden durch das Projekt. Man sieht, wo es mich hinführt.

Stellt eigentlich Graffiti das Wichtigste für dich in deinem Leben dar?

Nein, zuerst kommt meine Familie, dann Graffiti. Früher war Graffiti meine Nummer eins. Es kann dein Leben vollkommen einnehmen, so habe ich es mir selbst immer vorgehalten. Ich habe es immer richtig dosiert, viele Leute verabscheuen Graffiti in San Diego. Ich vergleiche Graffiti mit der Story vom Hase und dem Igel. Ich hätte das Ganze ausreizen können, aber nun gehe ich die Sache ruhig an und die Leute von damals, die mich einst anlernten, malen heute nicht mal mehr. Entwicklung ist der Schlüssel des Erfolges, nicht das, was die Leute sagen. Deshalb wenn du von dem überzeugt bist, was du machst, bleib dran.

Was braucht man deiner Meinung nach, um voranzukommen und besser und besser zu werden? Ein geregeltes Leben ohne Stress oder ist das egal? Gibt es ein bestimmtes Profil, was einen guten Writer ausmacht?

Es gab einige Dinge, die ich für mich rausfinden konnte, zum Beispiel Mentoren zu haben. Alte Hasen, die mir Tricks zeigten. Ich bin nie an einer Kunsthochschule gewesen. Ich wurde mit einem natürlichen Talent geboren und deshalb gefördert. Ich habe mir viel Zeit genommen und viel geübt, um das zu entwickeln, was ich heute kann. Was mir ebenfalls geholfen hat die Dose besser zu kontrollieren und ein Gefühl für die Komposition zu bekommen, war das Bomben. Unter Druck zu malen hat die Hand-Augen- Koordination gebracht. Du musst immer hetzen!!! Aber das alles kommt nicht einfach so.

Ich denke ich habe mich ganz gut weiter entwickelt in meinem Kopf. Ich denke nicht immer zuerst über mich selbst nach. Ich stelle mir ein großes Bild vor und überlege, ob man irgendwelche Freunde da mit reinbringen könnte, bevor es um mich selbst geht. Ich glaube an Karma.

Was denkst du über das Thema Sponsoring im Allgemeinen?

Das ist die Zukunft. Ich denke, dass ein Writer heutzutage unbedingt unterstützt werden sollte. Ich habe mich darüber schon oft mit verschiedenen wichtigen Writern unterhalten. Sie haben alle das gleiche Problem, sie werden nicht bezahlt. Sie kommen dazu ein bisschen zu reisen, aber das ist meist kein faires Geschäft. Ich denke die Writer und auch das Sponsoring-Unternehmen sollten sich stets daran erinnern, was die Künstler in die Entwicklung ihres Styles gesteckt und welche Zeit sie dem Ganzen gewidmet haben. Für ein Sprühfarben-Unternehmen mag es zwar so klingen, das Angebot kostenloser Cans sei ein Traum für jeden Sprüher. Dass jedoch das Unternehmen derjenige ist, der aus der Aktion Geld herausschlägt und der Writer am Ende des Tages nur ausgelaugt nach Hause geht, wird oft übersehen. Der Writer sollte zudem immer daran denken, wie viel er dafür geopfert hat, um dahin zu kommen und darauf das Unternehmen auch ruhig hinweisen. Die Unternehmen sollten auch gewollt sein Besonderes zu bieten, vor allem, wenn ein Writer seinen oder ihren Namen für eine Dose hergibt. Man sollte das mit dem Skateboarden vergleichen. Die Skateboarder riskieren ihr Leben, um außergewöhnliche Tricks zu zeigen, Writer tun dies genauso. Skater haben eine Anhängerschaft, diese haben auch Writer. Writer sollten eine Union bzw. Art Gewerkschaft gründen und damit eine Vertretung für alle Verhandlungen mit Sponsoren haben. Diese Person oder Organisation könnten dann handeln wie eine Art Agent. Die Writer müssen sich gemeinsam dafür engagieren. Ich weiß, dass ich nicht der Einzige bin, der so denkt. Einige Künstler haben bestimmt schon daran gearbeitet, zumindest hoffe ich das. Ich dachte auch immer, dass ein RIME oder ich geeignete Personen dafür seien. Wie beurteilst du den Wert einer Person? Ich denke, das ist einfach. Wenn du jemanden sponserst, dann ist dieser Künstler jeden Cent wert. Jeder Writer würde eventuell unterschiedlich bezahlt werden, es kommt ganz auf die Art und Höhe des Aufwands an. Skater erhalten ihren monatlichen Gehaltsscheck und bekommen dafür einen Lizenzbericht zu allen Produkten, wo ihr Name drauf ist. Ein Skater wird außerdem für alle Bilder bezahlt, auf denen er in Magazinen oder im Fernsehen zu sehen ist, wenn dort das Logo der Marke, für die er fährt ebenfalls präsentiert wird. Sie bekommen zudem ein Reisbudget, was sie für alle Trips nutzen können, die sie während des Jahres planen. 2 bis 4 mal im Jahr erhalten sie außerdem Honorarschecks. Wenn du einem Writer $1.00 pro Dose bezahlen lässt, dann haben diese einen Reiz und repräsentieren die Marke auf jeden Fall viel stärker. Writer müssen verdammt nochmal aufwachen! Ich denke, dass es momentan genau eine Marke gibt, die die Sache richtig angeht ist eine Marke aus Australien. Die kommen aus der Skate- und Graffiti-Szene und sind in der Lage Zusammenhänge zu erkennen.

Danke für diese lange Erklärung. Themawechsel. Fühlst du diese Intoleranz gegenüber Graffiti, bzw die Zero Tolerance Politik in einigen Regionen? Zum Beispiel da wo du lebst? Bist du jemals in Gesetzeskonflikte geraten?

Ich wurde damals einmal erwischt. Lange Zeit bevor es eine Straftat war. Alles rund um die Zero Tolerance ist ein scheiß Gesetz, dass irgendwann mal beschlossen wurde, um den Leuten mehr Geld aus der Tasche zu ziehen. Das bringt sie außerdem in das System rein, das heißt, sie können gefickt werden, wegen allem, was die gerade wollen. Wir leben heutzutage in einer Polizeiwelt, das ist so offensichtlich. Wie kämpft man? Man rebelliert und wer soll damit was anfangen? Vor ein paar Monaten wurde ich in Spanien geschnappt. Ich malte ein Rolltor und meine Freund Jordae und Open 247 waren dabei, zum Checken. Dann auf halber Strecke, tauchten plötzlich aus dem Nichts zwei Undercover Bullen auf, sprangen aus dem Auto und kaum, dass ich mich versah, hatten sie mich schon. Ich verstand kein Wort von dem, was sie sagten, also erzählte ich ihnen, ich sei aus Amerika und mir wurde gesagt, es sei kein Problem auf den Straßen Spaniens zu malen. Einer der beiden sah aus wie mein Vater. Mein Freund sagte mir, dass ich wirklich Glück gehabt hätte, da in Spanien hart gegen Graffiti vorgegangen werde. Ich versuche mich in meiner Stadt unauffällig zu verhalten. Klar gibt es einige Pieces, die fahren, aber ich bombe nur sehr selten. Ich vertraue der Szene hier nicht und habe einfach zu viel zu verlieren. Ich spare mir die Drecksarbeit für die Reisen auf.

Wenn du das ABC malen müsstest, was bevorzugst du?..einen illustrativen Font oder typisches Persue Style Lettering?

Ich hab gerade erst eins für Mad C’s neues Buch gemacht. Du musst dich nur noch ein wenig gedulden, dann wirst du es sehen.

Du machst bei Exchange mit, richtig?

Ja, ich mache da mit.

Wie ist das und wie denkt man über den eigenen Style wenn er denn dann von anderen umgesetzt wird?

Es ist auf jeden Fall eine lustige Übung, schon deshalb, weil ich daran nie gedacht hätte. Mich persönlich hat es zu einem besseren Writer gemacht und motiviert auch einmal andere Dinge auszuprobieren. Ich werde da auch demnächst wieder mehr beitrage, auch weil sich ja das Lineup sehr stark erweitert hat. Aber ja, Exchange ist ein großartiges Konzept. Ich freue mich auf alle Ergebnisse und bin gespannt, wie die anderen es angehen. Es bringt außerdem die Leute zusammen. Die Exchange Tour 2007 war eines meiner besten Erlebnisse. Ich lernte einige neue Leute kennen und konnte mit so manch guten alten Freunden abhängen. RIME hat Großes vor und ich denke, die Leute werden aus Reiz, wissen zu wollen, was aus der Sache werden wird, mitziehen. Ich habe nicht vor, euch alles zu verraten, das überlasse ich ihm.

Wie wird sich die Graffiti Kunst entwickeln? Irgendwelche Voraussagen von Persue?

Ich kann nicht wirklich sagen, in welche Richtung die Entwicklung gehen wird. Ich persönlich würde gern jemanden sehen, der etwas Originales und Progressives ausprobiert. Ich denke ein Writer von heute, sollte flexibel sein. Jemand, der alles kann, Burner, Bombings, Fashion und Hand Styles sind dabei am wichtigsten. Es gibt so viele Talente da draußen und die Zukunft steht schon an den Wänden geschrieben, man muss nur aufmerksam sein. Es passiert, während ihr das lest.

Danke für das Interview, noch etwas hinzuzufügen?

Danke. Grüße an meine Freunde und meine Familie. Auch an alle Lover und Hater, ich könnte niemals ohne euch sein. Respektiert die Älteren!

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Posted: 25. September 2009