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Smalltalk mit Krixl

Krixl ist der Gründer des Magazins “Stylefile”, einer der Geschäftsführer des Publikat Verlags und auch sonst hat der Aschaffenburger ne ganze Menge zu tun. Wir haben uns zwischen Umzug und Druckunterlagenschluss kurz mit Krixl über dies und das unterhalten können, jump

Krixl erstmal alles Gute zum 10ten Stylefile Mailorder Geburtstag! Als ihr damals das erste Stylefile Magazin zusammengestellt hattet, wie war das im Unterschied zu heute?

Ich würde sagen der größte Unterschied von heute zu damals ist das Level in Sachen Organisation. Damals mussten wir uns alle notwendigen Arbeitsschritte erst einmal selbst aneignen; vom Layout über die Druckabwicklung bis hin zum Vertrieb. Immer wieder sind neue Probleme aufgetaucht die es zu lösen galt. Das hat viel Zeit und Nerven gekostet, war aber auch super spannend und interessant. Heute ist das Ganze eine eingespielte Nummer.

Und warum kommt man überhaupt auf die Idee selbst ein Magazin zu machen? Will man sich verwirklichen oder ist es tatsächlich eine gewisser Hang zur Dokumentation?

Ich denke beide Punkte sind Teil der Antwort, mehr Gewicht liegt jedoch auf dem „Sich selbst verwirklichen“. Man sieht andere Magazine und denkt sich „Das können wir doch auch, oder?“ – und „Das können wir vielleicht sogar noch besser!“. Vielleicht war die erste Ausgabe nur so eine Laune, der unverhofft eingetretene Erfolg hat danach aber eine unglaubliche Motivation ausgelöst hier am Ball zu bleiben und in die Vollen zu gehen.

In unserem Interview mit Esher vom Streetfiles Team wurde von einer Demokratisierung der Medien gesprochen. Wie siehst Du das? Er geht ja zum Beispiel sehr eindeutig auf die Vetternwirtschaft der Print Magazin Redaktionen ein. Wie stehst Du zu Plattformen wie Streetfiles oder Flickr?

Im Grunde hat Esher da nicht ganz unrecht, aber ganz so einfach ist die Sache nicht und muss daher differenzierter betrachtet werden. Ich kann hier jedoch erst einmal nur für uns sprechen, wie es sich bei anderen Magazinen verhält kann ich nicht beurteilen. Dem interessierten Leser fällt auf jeden Fall auf, dass in vielen Magazinen oft die gleichen Leute erscheinen – dies muss aber nicht zwingend auf irgendeiner Form von Vetternwirtschaft beruhen. Als Redakteur baut man im Laufe der Zeit eine gewisse Beziehung zu seinen – in den eigenen Augen – wichtigsten Foto-Supportern auf, ein gewisser persönlicher Geschmack fließt hierbei sicherlich auch mit ein – was in meinen Augen auch extrem wichtig ist, da es das eigene Profil ausmacht. Dennoch ist es Quatsch hieraus pauschal eine Vetternwirtschaft zu unterstellen, finde ich. Viele der bei uns regelmäßig im Mag gezeigten Writer kenne ich nicht persönlich und habe auch keinen direkten Draht zu – und freue mich aber dennoch immer wieder über Post von ihnen. Ich würde dies also eher als gegenseitige Wertschätzung bezeichnen: Writer XYZ findet Stylefile gut, Stylefile findet Writer XYZ gut. Plattformen wie Streetfiles oder Flickr nutze ich so gut wie gar nicht, ebenso Blogs oder Foren. Hierzu fehlt mir schlichtweg die Zeit. Für eine schnelle globale Verbreitung von Informationen gibt es natürlich nichts Besseres. Auch wenn das Web den Printmagazinen – also auch uns – das Leben merklich schwer macht, so sehe ich dies persönlich eher als zusätzlichen Informationskanal als direkte Konkurrenz.

Achtet ihr auf eine gewisse Exklusivität? Sprich ist euch wichtig ob ein Foto der Subway XY schon mal irgendwo hochgeladen wurde oder ist es euch egal?

Was Printmedien angeht schauen wir schon, dass wir möglichst wenig Überschneidung zu anderen Magazinen haben. Was das Web angeht sehe ich dies jedoch völlig entspannt. Unser Ziel ist es nicht nur zu dokumentieren, sondern auch zu konservieren. Alles Gedruckte ist für spätere Generationen noch verfügbar, ich denke für nur online publizierte Bilder trifft dies oftmals nicht zu.

Wie wichtig ist euch der Bereich klassisches Graffiti? Stylefile wird immer in Medium für klassisches Graffiti bleiben mit den gewohnten Sektionen oder sind da Änderungen geplant? Wenn man sich eure Buch Publikationen anschaut kann man ja ein gewisses Interesse an der Streetart Dokumentation beispielsweise feststellen.

Im Magazin haben wir bereits vor knapp sieben Jahren auch angefangen, über den Tellerrand zu schauen und auch neue Gebiete wie Street Art abzudecken. Daran, und an unseren Publikationen in diesem Bereich, kann man auf jeden Fall erkennen, dass wir diesen neuen Bewegungen nicht abgeneigt sind, im Gegenteil. Dennoch finde ich, dass obwohl Street Art und Graffiti eine große Schnittmenge haben, beide nicht in einen Topf geworfen werden sollten. Graffiti ist facettenreich genug um ein Magazin damit zu füllen, ohne dass es langweilig wird. Deswegen haben wir auch kurze Zeit später den Fokus wieder ausschließlich auf die klassische Variante des Dosensports gesetzt – allerdings mit der Idee, parallel ein reines Street Art Magazin an den Start zu bringen. Der Name stand übrigens auch schon fest, wäre aber mittlerweile wohl keine so gute Idee dafür: STREETFILE. Aus Kapazitätsgründen hat dieses Projekt – wie übrigens eine Menge anderer Ideen – den Sprung aus der Schublade hin zur Umsetzung leider nicht geschafft.

Welche ist Deine Lieblings Ausgabe? Nach 31 in 10 Jahren Ausgaben sicherlich schwer zu sagen oder?

Ja, in der Tat fällt es mir schwer mich hier festzulegen. Richtig stark finde ich auf jeden Fall alle unsere „Jubiläumsausgaben“, allen voran die kürzlich erschienene Stylefile #30. Aber auch die ausverkauften Ausgaben #10 und #20 finde ich sehr gelungen. Übrigens, wir sind gerade dabei, unsere ganzen alten Ausgaben so nach und nach auf unserem Facebook-Profil online zu stellen. Wer mag einfach mal abchecken!

Was ist eigentlich aus all den Fotos geworden welche ihr in den Jahren zugesendet bekommen habt? Es müssen doch mehr als nur einige Schuhkartons voll mit Fotos sein, den Email Versand gabs ja zu den ersten Ausgaben noch nicht oder? Ist eine Veröffentlichung des Archivs geplant, irgendwann?

Wir haben echt eine unfassbare Menge an Stuff der gebunkert ist. Von früher noch viele „richtige Fotos“, aus den letzen Jahren vieles in digitaler Form. Konkrete Pläne hierfür gibt es nicht.

Was wird sich eigentlich ändern bzw. wird sich die Stylefile irgendwann ändern oder bleibt die nächsten 31 Ausgaben alles beim Alten?

Aktuell ist keine wirkliche Änderung geplant – but you never know! Würden wir heute mit der STYLEFILE beginnen würde diese vermutlich komplett anderes ausschauen.

Du hast die Redaktion, für viele nicht unbemerkt, vor einiger Zeit abgegeben, warum?

Als wir 1999 angefangen haben, war unsere Firma noch klein und übersichtlich, ebenso die anfallenden Aufgaben. Mittlerweile sind wir doch ganz gut gewachsen und decken ein viel breiteres Spektrum ab – allen voran unser Mailorder Shop sowie unser Verlagswesen. Damit man hier die Kontrolle behalten und die Sache als Ganzes vorantreiben kann, ist es ganz normal, dass man Arbeiten weitergeben bzw. delegieren muss. Mit meinem Kollegen Ole habe ich seit fast vier Jahren jemand am Start, in dessen Hände ich mein Baby Schritt für Schritt mit einem gutem Gefühl abgeben konnte. Natürlich versuche ich mich hier und da noch einzubringen – der Spaß an der Sache ist noch genauso da wie zur ersten Ausgabe

Anlässlich des 10ten Mailorder Geburtstags haben wir ja mit eurem Team im Moment eine Aktion laufen (mehr dazu später nochmal bei uns), Gratulation an der Stelle nochmal! Wir hoffen auf viele weitere Ausgaben unseres Lieblingsmagazins by the way, welches ist eigentlich Dein Lieblingsmag mal abgesehen von Stylefile?

Mir gefallen Magazine mit einem eigenen Profil – optisch wie inhaltlich – bei zeitgleichem Gefallen des Inhalts. Um einige Namen zu nennen: BACKJUMPS (die alten Ausgaben), BOMBER, XPLICIT, UNDERGROUND PRODUCTIONS. Hier kann ich mir sicher sein, dass ich was bekomme was mir gefällt, ich freue mich daher immer auf deren neue Ausgaben.

Eine letze Frage noch, warum stellt man eigenlich ein Magazin im Vorfeld komplett als Preview online?

Wie bereits erwähnt sehe ich Online bzw. Print als zwei unabhängige Kanäle, um etwas zu Präsentieren. Bei Online geht es um schnelle Informationen, bei Print um „Qualität zum Genießen“. Natürlich würde es die Spannung nehmen, wenn man das Magazin vorab bereits in hochaufgelöster Qualität anschauen kann – wir stellen jedoch lediglich Thumbnails online und wollen damit im Vorfeld Neugier auf die gedruckte Version aufbauen. Falls jemand nach der Preview zu dem Schluss kommt dadurch bereits alles gesehen zu haben muss man dies so akzeptieren. Auf mich trifft hier jedoch das absolute Gegenteil zu – es sei denn die Preview hat mich nicht überzeugt.

Vielen Dank Dir Krixl! Anything to add?
Danke auch – und weiterhin viel Erfolg mit eurem ilovegraffiti.de Projekt.

Und jetzt nochmal kurz zur Aktion, anlässlich des Mailorder Jubiläums hat Krixl für uns was freshes angeleiert, im Klartext bedeutet die Aktion dass unsere Blogleser eine neue Stylefile umsonst bekommen, mehr hier, danke nochmal!


Posted: 3. November 2009