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Smalltalk mit Honet

Wir hatten kurz vor Jahresende die Chance uns mit Honet aus Frankreich über einige Dinge zu unterhalten, nice little smalltalk

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Honet, wir nähern uns dem Ende der 00er, was gibts rückwirkend zu sagen? The goods and the bads
Grundsätzlich nichts Gutes aber auch nichts Schlechtes, es ist nur immer wieder lustig zu sehen in welche Richtung es geht, wie aus dem Graffiti Movement eine Street Art Bewegung gemacht wird. Auf der einen Seite: Das Gesetz und die Politik, der Versuch zu erklären wie schlecht und negativ Graffiti doch ist, es wird nach wie vor versucht die Bewegung zu stoppen. Nicht sehr erfolgreich wie ich meine. Auf der anderen Seite sieht man wie fasziniert die Öffentlichkeit doch ist. Die Medien, die Kunstszene, das Marketing der Brands.

Bezogen auf Frankreich?
Ja auch, ich meine hier in Frankreich gab es doch das diesjährige “Hightlight”. Ein Unternehmen wie Thalys, welches jahrelang Graffiti Writer verfolgt und gejagt hat, speziell damals in den Fällen um das Jahr 2000, zeigt sich auf einmal von einer ganz anderen Seite und angagiert 4 Writer um im Pariser Hauptbahnhof, dem Headquarter der Vandal Squad, einen Hochgeschwindigkeits Zug bemalen zu lassen. Und das Ganze wird noch mit 10.000 Euro pro Nase honoriert. Ich sollte dieses Unternehmen mal fragen wer mir all meine Pieces auf deren Züge zahlt, wahoo ich wär Millionär!

Ja das stimmt, das war tatsächlich ein medialer Paukenschlag und schon schräg. Eine andere Frage, Honet´s Favoriten unter den Büchern der letzten zehn Jahre?
Ich lese eigentlich keine Bücher über Graffiti, ich check auch keine Websites, Foren oder Magazine. Ich bin keiner von diesen Graffiti Nerds. Aber ich schaue ab und zu rein wenn ich etwas geschickt bekomme, in den letzten 10 Jahren waren das

“Poch et Rock – Teenage Kicks” ( Wasted Talent )
“Action Painting Bringing Art to the Trains” ( Publikat )
“Burn & Lurn” ( H.G.M. Overbeek )
“Like Lipstik Traces” ( Hixsept )
“All City Witters” ( Kitchen )

Honet´s beliebtestes Medium 2009 sind Wände, Züge oder etwas ganz anderes?
I don’t care, das ist mir egal. Mir ging es schon immer um die Atmosphere der Stelle, das Abenteuer selbst und die Leute mit denen ich losgehe

Würdest Du dich immer noch als Graffiti Writer bezeichnen?
Ich bin ein Graffiti Writer und ein Graffiti Artist, ja. Vom ersten Moment an bis ich sterbe wird das so bleiben. Honet kann nicht immer der Klassiker, Avantgarde oder der Vandal sein, Graffiti ist für mich ein “Way of Life”, etwas mit unbegrenzten Möglichkeiten.

Wir konnten in der Londoner Onlinegalerie TopSafe Arbeiten von Dir finden, kannst Du uns dazu etwas erzählen?

Diese Siebdrucke erzählen unsere Geschichten. Der Obere war eine Arbeit welche ich für Fondation Cartier Paris gemacht hatte. Die “Entrance/Exists” symbolisieren 3 verschiedene Stellen welche wir als unseren Raum bezeichnen: Katakomben, Bunker und Kirchen. Man kann viele Parallelen entdecken: Undergroud, Ground und Overground. Es ist eine vertikale Reise von ganz unten nach ganz oben. Die 3 Persönlichkeiten stellt eine Art poetische Ausgeglichenheit dar in welcher jeder jedem hilft. Unten dann, die Uhr und der Vogel sind Details einiger Orte an welchen ich schon war. Aber diese stellen vor allem auch eine klassische Referenz dar, die Referenz der “Freiheit und das man jede Sekunde seines Lebens geniessen sollte”, bevor es vorbei ist.

Auf Deiner Website kann man sehr viele super Fotos von diversen osteuropäischen Spots finden, kannst Du uns zu den Reisen bzw den Fotos mehr erzählen?

Nun ich versuche immer eine Story zu erzählen mit meinen Fotos, die Aktion, das Essen, einige Bilder die ich gemalt habe im Mittelpunkt um dem der sie anschaut den Alltag dort vermitteln zu können. Für den Rest muss man seiner Fantasie einfach freien Lauf lassen. Aber eigentlich war die Antwort schon in Deiner Frage: aventuresextraordinaires.fr

Es scheint Dir auch egal zu sein ob man Dich auf den Fotos erkennt oder nicht, wie kommt es dass Du darauf nicht mehr achtest?
Ein Graffiti Writer zu sein ist manchmal wirklich strange, paradox! Du willst anonym und gleichzeitg bekannt sein bzw werden. Nach all den Jahren habe ich gelernt meine Fotos sinnvoll einzusetzen, mehr oder weniger. Ich habe gelernt mit dem System zu spielen, immer auf einem schmalen Pfad zwischen den offiziellen Arbeiten und dem was in der Illegalität passiert. Ich versuche dabei aber nie zu weit zu gehen. In unserem Land sind die Gesetze auch sehr flexibel, es hängt immer von deiner eigenen Attitude ab.

Szenario: Honet muss seine Koffer packen und es geht zu einem speziellen Platz irgendwo auf diesem Planeten, wo geht die Reise hin und was nimmst du mit?

Ich würde den höchsten Kirchenturm in der Gegend wählen, also Notre Dame in Paris. Ich würde mir ein paar Flaschen Bier einpacken und dort oben das Mondlicht geniessen, dann den Sonnenaufgang und den Ausblick inhalieren. Paris unter meinen Füssen, die Trunkenheit des Moments so gut es geht festhalten.

und wenn Du 5 oder mehr weitere Personen mitnehmen könntest wer wäre mit Dir?

Meine besten Freunde wahrscheinlich, aber ich fürchte das werden wohl nicht mehr als 5

Danke für den Smalltalk, irgendwelche Pläne für die nächsten Monate?

Nope, ich weiss ja noch nicht einmal was ich morgen mache, aber ich hoffe es kommen noch viele positive Überraschungen auf mich zu.

Viel Erfolg!


Posted: 22. Dezember 2009