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Alex Fakso Smalltalk

Der ilovegraffiti.de Smalltalk mit dem italienischen Fotografen Alex Fakso.Fakso hat in den frühen Neunzigern mit der Dokumentation der Skaterszene angefangen. Später um die Jahre 1996 bis 1998 ist er einer der ersten Fotografen in Europa welcher Trainwriter in Aktion festhält, mit in die Depots und Tunnel zieht. Fakso zählt zu den Pionieren in diesem Bereich. Nicht wenige Fotos von Fakso haben einen sehr hohen Wiedererkennungswert was heutzutage sehr selten geworden ist. Kurzum und ohne Übertreibung, er hat diese Begabung, einzelne Bewegungen und Anspannungen, das Adrenalin, die Angst und die Intensität des Trainwritings optimal festzuhalten.

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Alex, wie geht es dir und was hast Du in der Silvesternacht gemacht?
Mir gehts soweit gut, ich war in London auf Party und habs immer noch in den Knochen

Was wirds von Alex Fakso 2010 geben?

…wie immer am Fotografieren, mit einer fantastischen Kamera

Nichts Neues auf dem Plan?
Doch, ich arbeite immer an mir und meinen Arbeiten, aber ich bin sehr vorsichtig geworden was das öffentliche Teilen von Ideen angeht. Ich behalte das erstmal für mich. Mir wurden schon so viele Ideen geklaut, es wird dann ja auch nie darüber informiert von wem die Idee wirklich war.Deswegen bin ich da sehr zurückhaltend geworden, speziell hier im World Wide Web.

Verstehen wir, nun Alex, was gabs erwähnenswertes in den letzten 10 Jahren?
Zu viel um hier auf alles einzugehen. Aber auf jeden Fall ist mein Traum in Erfüllung gegangen, mein Buch “Heavy Metal“. Es ist aber auch viel schlimmes passiert, ich habe eine Menge Freunde verloren. Und das ist speziell für mich ein großes Problem. Ich habe ein allgemeines Problem Menschen zu vertrauen und dann diese Menschen zu verlieren ist nicht leicht.

Das stimmt, Dein Buch war und ist ein Meilenstein der vergangenen 10 Jahre. Wo wir beim Thema Bücher sind, hast Du die beiden dieses Jahr veröffentlichten Bücher aus Deutschland gesehen? Ruedione´s Backflashes und Nils Müller´s Blütezeit?

Ja, stimmt, ich bin ja gar nicht mehr der Einzige richtig? Aber hey, es ist gut dass sich so langsam die verschiedenen Stile entwickeln. So muss es sein. Ich weiss, es ist hart ein wirklich gutes Buch zu machen, nicht einfach. Du brauchst ein wenn möglich makelloses Portfolio, was nicht nur aus ein paar wenigen guten Fotos besteht. Ich habe beide Bücher im Internet gesehen, hatte bisher leider nicht die Chance mal in Ruhe durchzublättern. Ich mag das Buch von Ruedione, ich kenne ihn schon eine lange Zeit und wir hatten schon sehr gute Gespräche über dieses Thema. Über Nils´ Buch kann ich nicht viel sagen. Es ist für mich eben auch sehr wichtig den Fotografen zu kennen und zu erfahren was hinter den Fotos steckt. Die Idee, der Stil, die Hintergründe zu den Fotos, das interessiert mich wirklich sehr.

Verstehe, das ist aber nicht der Sinn der Bücher, die wenigsten Leser haben die Chance ein intensives Gespräch mit dem Autor führen zu können?

Nein das stimmt, aber ich bin auch nicht der typische Leser, ich bin ja selbst Fotograf, und habe ein völlig anderes Auge für derartige Bücher, so stellen sich mir auch andere Fragen und so weiter. Weisst du, ich denke diese Graffiti Szene versteht das Thema und die Idee dahinter noch nicht so richtig, das wird vielleicht irgendwann mal. Eigentlich sollte man dem eigentlichen Moment die selbe Aufmerksamkeit schenken wie dem Piece selbst. Was ich tue mache ich nicht wegen der Performance oder irgendwelchen Leuten zu zeigen wie man einen Zug besprüht. Das interessiert mich gar nicht so sehr. Ich finde über diesen Weg Möglichkeiten etwas zu zeigen was das Piece selbst eben nicht zeigen kann. Das optische Phänomen Graffiti auf Zügen in einer für mich interessanteren Position darzustellen, das versuche ich für mich herauszufinden, jedes Mal aufs Neue. Diese Kunstform Fotografie entwickelt sich immer weiter, Graffiti nicht, so scheint mir jedenfalls. Aber das wird sich eines Tages ändern,da bin ich mir sicher.

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Du bist einer der ersten Fotografen die Trainwriting auf einem höheren Level dokumentiert haben. Ist das für Dich immer noch Einsatzgebiet Nummero 1?

Ja, auf jeden Fall. Weisst Du, ein anderer Fotograf hatte mir mal gesagt man könne meine Fotos mit Kriegsfotografie vergleichen

Mit Kriegsfotografie?

Ja, naja, früher als ich angefangen habe mit dem Fotografieren dachte ich es muss krass sein in Krisenregionen, als jemand welcher das Ganze mit der Kamera festhalten will. Heute denke ich anders. Ich habe das Gefühl ähnliche Momente einzufangen, indem ich mit Leute in Trainyards, Tunnel usw ziehe. Das ist dem Krieg selbst irgendwie sehr ähnlich, nur eben ohne Tote. Um die Frage zu beantworten, ja das ist schon immer noch mein Einsatzgebiet, das wird wohl auch so bleiben.

Alex, heutzutage ist das Internet voll von Fotos aus den Yards dieser Welt, was macht Deiner Meinung nach den Unterschied?

Weisst Du, ich zeige meine Fotos sehr oft irgendwelchen Leuten welche nichts über Fotografie wissen, die Reaktion ist dann meistens “wow, wie fresh ist denn das Foto bitte, mit welcher Kamera arbeitest Du?” Aber es ist eben nicht die Kamera oder das Equipment was zählt. In der heutigen Zeit bekommst Du mit dem Kauf einer Kamera alles gezeigt, aber nicht wie man gute Fotos macht. Da kommt es eben immer noch darauf an wann und wo sowie mit welchem Lichteinfluss bzw Licht auf den Knopf gedrückt wird. Das ist was zählt. Ab und zu sehe ich ganz gute Fotos im Internet, aber das ist sehr selten dass mich da wirklich etwas beeindruckt. Es ist halt das alte Problem in der Graffiti Szene, die Writer stellen das Piece in den Vordergrund, was ja auch ok ist. Da kommen aber meist keine schönen Fotos heraus, es ist das gesprühte Bild welches die Aufmerksamkeit geschenkt wird, nicht dem Moment selbst. Aber das ist okay so, kein Problem für mich.

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Was für eine Kamera nutzt Du eigentlich?

Ich nutze mehrere Kameras, kommt immer drauf an welches Projekt am Laufen ist.

Ok danke für den Smalltalk und alles gute für 2010! anything to add?

Danke euch auch! Harte Zeiten brechen an, manchmal scheint es mir als leben wir in einer Welt voller Idioten und schlechter Menschen, bestes Beispiel hier in London die BTP, die British Transport Police macht vielen meiner Freunde das Leben mehr als schwer. Fuck the Law!


Alex Fakso Website:
Fakso.com
Heavy Metal by Alex Fakso: Amazon, Elbtunnel

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Posted: 4. Januar 2010