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Interview mit Taki183

Taki183 begann in den späten 1960er Jahren seinen Namen zu schreiben. Ein Sohn griechischer Einwanderer, arbeitete als Botenjunge und kam daher ziemlich viel in New York herum. Nicht selten wird er heute als Pionier des klassischen Writing bezeichnet. Die New York Times veröffentlichte am 21. Juli 1971 auf der Titelseite einen Artikel (Download PDF) über den 17-Jährigen der hinter den damals rätselhaften „Taki 183“ Tags stand, die an vielen Wänden der Stadt zu lesen waren und eine Kettenreaktion auslösten. Das was heute als Broken Window Theorie bezeichnet wird hatte unter anderem er ausgelöst, denn 5 Jahre nach Taki´s ersten Tag ist Graffiti in New York förmlich explodiert. Taki selbst hat sich allerdings schon sehr früh wieder aus dem Geschehen zurückgezogen. Die Medien gingen damals davon aus, dass das Erscheinen des Times Artikels als Aufforderung verstanden wurde, die Wände der Stadt mit Tags zu versehen, die aus dem Spitznamen und einer Zahl bestanden. Es wird spekuliert, das Julio204 bereits vor Taki183 aktiv war, aufgrund der geringen Aktivität und ausschließlich in seiner unmittelbaren Wohngegend aber nicht diese Wirkung erzielte. Roger Gastman hat sich für ilovegraffiti.de mit dem 57jährigen unterhalten, ein interessanter Smalltalk mit einer der wichtigsten Figuren der weltweiten urbanen Graffiti Bewegung.
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(ENGLISH INTERVIEW)

Taki, erzähl uns ein wenig über die Vergangenheit, wo bist Du aufgewachsen?

Aufgewachsen bin ich ein einem Stadtviertel von New York City im äußersten Norden der Insel Manhattan. In der 183igsten Strasse in Washington Heights, ist ein schöner Ort um groß zu werden..

Nun, kann man dann mit Sicherheit behaupten, Taki ist in Washington Heights aufgewachsen, dem Geburtsort des modernen, klassischen Graffiti in New York City?

Hm, nein. Ich würde sagen die Manhatten Eastside war eine Art Geburtsort, weil dort eben auch durch Medien und Presse zum ersten Mal darauf aufmerksam gemacht wurde. Wenn irgendwas in Heights oder der Bronx passierte hat es die Medien nie interessiert, sobald etwas in Manhatten Eastside am Start wurde sofort reagiert und die Schlagzeile war da.

Als Du damals angefangen hast mit Graffiti, was war das für Dich in erster Linie? Tagging? Writing?

Ich denke wir haben es damals als Writing bezeichnet, aber eigentlich haben wir das Wort nie wirklich benutzt. Weisst Du, wenn wir eine Metro gesehen haben dann ging das so “Let´s go hit the car.”, wenn ein End to End gemacht wurde sagten wir “kill the car”, so haben wir es bezeichnet, damals.

Also ist der Begriff Writing doch eher unpassend wenn wir über die ersten Jahre sprechen?

Nein, nein. Eigentlich nicht. Letzendlich ist der Begriff genau richtig gewählt wenn man mal zurückschaut und sieht warum ich während des Sommers 1970 so viel getaggt habe. Alles fing mit den Tischen in den Klassenzimmern meiner Schule an, der George Washington High School. Wie das so ist, man taggt, dann kommt ein weiteres dazu und ziemlich schnell ist der Tisch voll mit Graffiti. Ich habe mir so schnell einen Namen gemacht, in diesem besagten Sommer haben wir sehr sehr viel getaggt, immer wenn ich Zeit hatte und einen Marker bei der Hand ging es raus auf die Straßen. Es war schon verückt, ich wurde irgendwie abhängig, wenn man das so nennen kann.

Es ging dir also ausschliesslich darum Deinen Namen zu schreiben?

Ja auf jeden Fall, grundsätzlich schon, einfach nur um sagen “I was there”

Hast Du Dich auf Dein Viertel beschränkt oder?

Ja, unweigerlich schon. Aber Brooklyn ist auch ein riesiges Viertel. Aber, klar ich war auch ausserhalb Brooklyns aktiv, ich war fast überall. Aber die ganze Stadt zu taggen ist unmöglich meine ich, it´s a big job.

In den frühen Siebzigern hatte das Subway System von New York nich fast keine Tags. Ausser eben die Tags von Dir und Deinen Jungs. Wie hast Du andere kennengelernt, Babyface86 oder Joe182 zum Beispiel. Eine Szene gab es ja nicht wirklich.

Ich erinnere mich, es ist irgendwie passiert, über Nacht. Es war so, wie mit den Tischen in der Schule. Wenn Du ein Tag in der 169th Street Station gemacht hast war wenig später ein weiteres und ein weiteres Tag daneben. Es wurde selten die Ecke daneben getagged, es musst immer neben dem anderen Tag sein. Das war irgendwie cool, es war etwas das schnell seinen Lauf genommen hatte. Mal grundsätzlich gesehen, So hat man sich am Ende auch kennengelernt.

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Was meinst Du, nach all den Jahren. Was macht Graffiti für die Kids heute so attraktiv?

Ich denke Graffiti ist deswegen so attraktiv für Kids weil es ein günstiger Weg zu einem Bekanntheitsgrad ist und man schnell Aufmerksamkeit erlangt. Du musst kein großartiger Athlet oder ein gut gelehrter Schüler, Du kannst ein großartiger Writer sein und jeder wird es mitbekommen, Dich kennen und darüber sprechen.

All das was wir aus den frühen Graffiti Stadium kennen ist sehr lesbar, es hat nicht wirklich sehr stylisch angefangen Ende ´71 und ´72. Wie wichtig war euch damals die Lesbarkeit. War es euch wichtig ob die Leute in den Strassen das lesen können oder nicht? Ihr seid ja damals nicht das gewesen was wir heute einen klassischen Graffiti Writer nennen.

Lesbarkeit war uns sehr sehr wichtig. Wenn ich damals zum Beispiel Bubble Letters gezogen hätte wie lange muss jemand davor stehen um es zu entziffern? Für mich waren die Block Buchstaben der einfachere Weg, effizienter.

Du meintest mal für Dich wäre ein Tag wichtig, ein Tag welches Du in weniger als 3 Sekunden ziehen könntest. Raus aus dem Zug, ran an die Säule und weg. Jetzt erwähnst Du aber auch die Lesbarkeit, erklär uns mal wie man sich das vorstellen kann und wo war der Unterschied von Tag zu Tag. Gab es schon eine Art Style?

Nein nicht wirklich. Naja wie erwähnt, es war mir bzw uns wichtig dass man es schnell lesen konnte. Wir haben klare deutliche Buchstaben getaggt. Julio hatte damals als erster ein wenig Style, Joe136 hat einige Rundungen eingebaut, eine Art Script-Type Writing was man aber schnell ziehen kann. Die ersten, nennen wir es mal Fancy und stylische Tags kamen dann aber erst von StayHigh und Superkool223. Die hatten diesen unverkennbaren Wiedererkennungswert, was das Ganze sehr interessant gemacht hat und es ja heute immer noch prägt. Man konnte schon von weiten erkennen von wem das Tag ist. Stylisch aber trotzdem lesbar. Dann ging es weiter mit Bubbles und dem ganzen Kram. Wir haben dann ein wenig das Interesse daran verloren. Es war irgendwie nicht mehr das was wir gemacht haben weisst Du. Es wurden auf einmal ganze Wände bemalt, es wurden andere Graffitis übermalt, es begann lächerlich zu werden, zumindest in unseren Augen.

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Darum hast Du dann auch aufgehört? Wann war das eigentlich?

Nein nicht nur deswegen, ich denke das war nachdem ich meine High School Zeit beendete, mein erstes Auto und eine Freundin hatte. Ich bin in der Zeit dann nicht mehr oft mit der Metro gefahren. Das war glaube ich 1972. Ich hatte dann irgendwie keine Lust unter Brücken oder in Train Yards herzumzuhängen. Für mich war es das dann irgendwie, ich hatte meinen Fame.

Wie denkst Du heute über das was in den Büchern steht? Taki183, der Graffiti Writer der ersten Stunde, und so weiter. Es gibt da viele Phrasen..

Naja ich wurde und werde zwar schon oft erwähnt aber es gibt lustigerweise wenige Fotos und Material zur Dokumentation, was irgendwie cool ist. Umso früher man es gemacht hat umso weniger wurde eben fotografiert und dokumentiert.

Einige abschliessende Worte zu Taki183 und das sein Leben heute?

Ich bin froh keinen Marker mehr in der Hosentasche zu haben, ich habe immer noch das Bedürfnis zu taggen, das ist mir schon geblieben.

Danke für das Interview! Mehr von Taki83 gibt es auf seiner Website

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Posted: 18. Januar 2010