rss instagram

Paint Club – Interview

Heute hat der Paint Club seine Website online geschaltet, wir haben uns mit einem der Gründer und Organisatoren in Dresden getroffen und über dieses Projekt und den Wettbewerb gesprochen Der Paint Club soll noch dieses Jahr auf Europatour gehen.


Hallo Andreas, einigen wird CROMATICS ja bereits ein Begriff sein, kannst Du trotzdem kurz etwas zu Eurer Geschichte erzählen?

Na klar das mach ich gern. Also alle Jungs von CROMATICS haben Mitte der 90er mit Writing angefangen und sich so kennen gelernt. Direkt nach dem Abi machten wir uns daran, ein lokales Graffitimagazin für Dresden zu veröffentlichen. 1999 erschien die erste Ausgabe von CROMATICS zu der wir bereits erste Künstler einluden eigene Seiten zu gestalten und sich und ihren Stil zu präsentieren. Uns war dabei wichtig, dass die entstandenen Arbeiten über das pure Graffiti hinausgingen. Stück für Stück wurde unser Magazin zu einer Galerie, die heimischen Künstlern und später auch herausragenden Künstlern aus aller Welt eine Plattform bot ihre Arbeiten und Sichtweisen auf urbane Kunst zu präsentieren. Neben der Veröffentlichung unseres Magazins gestalteten wir Stück für Stück auch andere urbane Lebensbereiche aktiv mit und initiierten Events, Ausstellungen und einen Onlineshop für urbane Lebenskultur mit dem wir unter anderem die Stickerkultur in Europa beflügelten. Am 01.01.2008 gründeten wir dann die gleichnamige Kommunikationsagentur mit der wir nun kulturelles Neuland erschließen werden.

Ihr habt ja bereits 2007 den Londoner schwarz-weiß Wettkampf Secret Wars nach Deutschland geholt. Wie seid ihr darauf gekommen? Ist der PAINT CLUB eine Weiterentwicklung von eurem Projekt Secret Wars Germany?

Im Februar 2007 haben wir die Nonpermanent Ausstellung von Lunartik und Cutterskink aus Birmingham unterstützt. Natürlich waren wir auch selbst vor Ort und haben uns an der Durchführung aktiv beteiligt. Am Abend haben wir dann zum ersten Mal einen Secret Wars Allstars Wettkampf zwischen Pete Fowler und Jon Burgerman miterlebt und waren sofort begeistert. Das Konzept erinnerte uns sofort an Brooklyn in den 70ern und die Zulunation, es fielen uns auch noch die guten alten Backjumps Sessions ein und die Berliner Jazz Style Corner von ZAST und AKIM. Uns war bewusst, dass urbane Kunst zu diesem Zeitpunkt in Großbritannien bereits massenkompatibel war, Deutschland hing aber noch hinterher. Deshalb setzten wir uns in der Kopf Secret Wars so schnell wie möglich auch nach Deutschland zu bringen. Auf der „Don’t Sleep Tour“ im Oktober 2007 konnten wir dann Monorex und DayDream Network bei ihrem Stopp in Berlin unterstützen und organisierten eine eigene Veranstaltung in Dresden. Der Erfolg war grandios und wir in unserem Vorhaben bestärkt. Das war die Geburtsstunde von Secret Wars Germany. Wir bekamen von Terry Guy per Handschlag die Erlaubnis Secret Wars in Deutschland aufzubauen. Dies haben wir dann auch entsprechend in den letzten zwei Jahren gemacht und neben Geld vor allem auch sehr viel Zeit darin investiert. Die meiste Aufmerksamkeit haben wir mit unserem Projekt, der Secret Wars Battle Tour, erzielt, mit der wir 18 Tage lang durch Deutschland, die Schweiz und Österreich getourt sind und in 18 Städten jeweils zwei lokale Künstler herausgefordert haben. Das Buch zur Tour und ein über 90-minütiger Dokumentationsfilm werden bald über den Colortrip Verlag veröffentlicht. Während dieser zwei Jahre haben wir uns natürlich ständig bemüht Grenzen auszuloten und das Konzept zu perfektionieren und noch unterhaltsamer zu machen. Wir haben auch alle Mitwirkenden um ihre Meinung gefragt und sind zu dem Entschluss gekommen, dass es noch sehr viel Potenzial gibt, das freigesetzt werden kann. Danach stand fest, dass wir ein eigenes Projekt starten wollen. Bestärkt wurde unsere Entscheidung durch die organisatorischen und strukturellen Veränderungen bei Secret Wars, die Ende 2009 in London beschlossen wurden. Diese neuen Bedingungen wollten und konnten wir nicht mehr erfüllen.

Du hast es eben schon selbst angesprochen. Was sagt Terry Guy von Monorex, der geistige Vater von Secret Wars, zu eurer Entscheidung?

Um ehrlich zu sein, die Frage würde ich gern nach London weiterreichen. Ich glaube von englischer Seite werden wir im Moment vornehmlich als Wettbewerber betrachtet, obwohl wir uns davon gern distanzieren wollen und einen anderen Standpunkt einnehmen. Der PAINT CLUB hat einen anderen Ansatz als Secret Wars. Wir schaffen eine globale Plattform für alle urbanen Künstler. Wir werden für die Präsentation der nationalen und internationalen Wettkämpfe aufmerksamkeitsstarke Veranstaltungen nutzen. Außerdem soll in Zukunft über diese Plattform, auch neben den Wettkämpfen, noch mehr passieren. Wir könnten uns auch vorstellen, dass in ein paar Jahren die PAINT CLUB Weltmeister gegen die Secret Wars Gewinner antreten. Wie wäre es mit einer Runde schwarz-weiß und einer Runde bunt? Beim Wrestling, Football oder Boxen gibt es ja auch verschiedene Clubs und Meisterklassen.

Die bis jetzt offensichtlichste Veränderung ist, dass Ihr die Künstler nicht mehr nur auf schwarze Marker einschränken wollt. Soweit uns bekannt ist, habt Ihr in den letzten zwei Jahren eine intensive Beziehung zu edding gepflegt. Neben Secret Wars unterstützt edding in England auch noch vier ähnliche Events, wieso seit Ihr aber trotzdem bei einem anderen Partner gelandet? Ihr arbeitet jetzt mit Molotow oder?

Wie ich sehe seid Ihr gut informiert. Im Grunde ist das einfach zu erklären. Leider blieb das Engagement von edding immer hinter unseren Erwartungen zurück. Dabei haben wir festgestellt, dass unsere Energie, unser Innovationsgeist und unsere Schnelligkeit auf der anderen Seite wenig Anklang fanden. Man hatte das Gefühl, dass die Uhren bei edding vielleicht nicht langsamer aber zumindest zeitversetzt ticken. Aber das ist nicht der Hauptgrund. edding ist und bleibt der Marktführer im Bereich Bürobedarf und genau hier liegt das Problem. Die Produkte von edding sind kaum für den Einsatz als Künstlerbedarf geeignet. Der einzige Marker der bei Secret Wars relevant war, war der edding special marker der meines Wissens nach auch heute noch mit Hand produziert wird und nicht im freien Handel verfügbar ist. Das heißt edding generiert zumindest bei den Künstlern eine Nachfrage nach einem Produkt, das man so nicht im Handel kaufen kann. Des Weiteren konnte edding unserem Wunsch und dem vieler Künstler nach pigmentstarken Farbmarkern nicht gerecht werden. Der neue Partner MOLOTOW ist da das absolute Gegenteil. Das im Vergleich zu edding kleine Unternehmen aus Lahr ist extrem innovativ, flexibel, zeitgenössisch und gerade dabei den weltweiten Markt für Auftragungsmittel im Kunstbereich zu revolutionieren. Alle MOLOTOW Produkte sind der Benchmark für die Mitbewerber in diesem Bereich. Nicht umsonst genießen sie ein extrem gutes Standing bei urbanen Künstlern. Die neuen One4All Marker und Tinten, welche beim PAINT CLUB zum Einsatz kommen, sind der absolute Oberhammer – zumindest sagten dies einstimmig alle Künstler nach einem ersten PAINT CLUB Testlauf. Ähnliches hört man auch von unseren Partnern in acht Nationen. Die neuen MOLOTOW Marker würden sogar in England die alt eingesessenen Uni Posca Marker bereits vom Markt verdrängen. Wir sind stolz darauf einen Partner gefunden zu haben, der die führenden professionellen Produkte in diesem Bereich anbietet und auch weiterhin in einem rasanten Tempo neue innovative Produkte auf den Markt bringt, welche gemeinsam mit dem Feedback aus der urbanen Kunstszene entwickelt werden. MOLOTOW entspricht damit unserer Wunschvorstellung als Partner: innovativ, zeitgenössisch, authentisch, trendbewusst und qualitativ hochwertig.

Ihr selbst bringt ja den Vergleich vom PAINT CLUB zur Battle of the Year, Write4Gold oder auch den DMC DJ Championchips. Bei diesen Institutionen gibt es regionale Vorausscheide in den einzelnen Ländern. Habt ihr ähnliches geplant?

Eigentlich hatten wir für dieses Jahr keine regionalen Vorausscheide geplant, da vor allem am Anfang sehr viel Pionierarbeit zu leisten ist und unsere Zeit und Budget ja auch begrenzt sind. Aber die Resonanz ist bereits jetzt so groß, dass wir auf jeden Fall in Deutschland bereits dieses Jahr die Vorausscheide testen werden. Alle Daten findet ihr ab sofort auf unserer Website.

Andreas, auch wenn Du es bereits hier und da angedeutet hast, kannst Du uns eventuell noch ein paar Details vom PAINT CLUB Preis geben?

Im Moment halten wir uns verständlicher Weise noch etwas bedeckt, aber euch werden wir gern schon etwas mehr erzählen. Wir werden auf jeden Fall viele Dinge mit Hilfe von Technologie auf eine völlig neue Ebene bringen. In Planung ist zum einen für das Publikum eine digitale PAINT CLUB Wand, sowie eine interaktive Flash-Projektion mit der wir den Verlauf der Veranstaltung darstellen können. Ein großes Manko aller Wettkämpfe im urbanen Bereich ist die Abstimmung. Wir sind davon überzeugt, dass man dieses „Problem“ nur durch absolute Transparenz lösen kann, auch hier arbeiten wir gerade gemeinsam mit unserem Technologiepartner Tyclipso.net an einer perfekten Lösung. Wie immer hat CROMATICS an Alles einen sehr hohen Anspruch und ambitionierte Vorstellungen. Wir werden versuchen so viel wie möglich bereits in diesem Jahr zu realisieren. Was alles bereits in diesem Jahr möglich sein wird entscheiden auch die beteiligten Partner.

Na das klingt ja sehr spannend. Wir freuen uns auf jeden Fall schon sehr beim ersten nationalen Wettkampf am 27. Mai zur Vernissage von STROKE.02 in München dabei sein zu dürfen. Kannst Du uns noch was zur Zukunft sagen?

Also die derzeitige Planung sieht so aus. Dieses Jahr starten wir (ohne die nationalen Vorausscheide in Deutschland gerechnet) mit 128 urbanen Künstlern in 64 Teams in 8 Ländern Europas. Nächstes Jahr werden es schon doppelt so viele sein und wir werden in allen Kontinenten mindestens einen PAINT CLUB Ausscheid durchführen. Derzeitig haben wir bereits genügend Anfragen, unter anderem aus den USA, Kanada, Brasilien, China, Australien und Südafrika. Das wichtigste wird sein, die entsprechenden passenden Partner zu finden, die uns bei der globalen Skalierung auch finanziell unterstützen können.

Andreas zum Schluss bitten wir Dich den PAINT CLUB in zwei Sätzen zu beschreiben!

Der PAINT CLUB bietet die interaktive Plattform für alle Künstler der weltweiten Urban Art Bewegung. Talentierte Illustratoren, Grafiker, Comiczeichner und Straßenkünstler erhalten die Möglichkeit in einem internationalen Wettkampf anzutreten, um ihre Kunstfertigkeiten zu messen und zu präsentieren.

Wir danken Dir für das interessante Gespräch und freuen uns auf die ersten Berichte aus dem PAINT CLUB Hauptquartier in Dresden.


Posted: 8. April 2010