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Soten Interview

Mitte letzten Jahres haben wir uns für die Juice mit unserem Freund Soten unterhalten, “Northern Highlights” wurde in einer Kurzform gedruckt, das komplette Interview mit dem Dänen gibts hier

Möchtest du dich vorstellen oder soll ich das übernehmen?

Du machst das! Ich denke, du kannst das am besten.

Okay, ich habe Soten in Hamburg kennengelernt. Damals war er in Begleitung von Bates unterwegs und bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich von ihm zwar gehört aber nicht viel gesehen. Ein wortkarger Bursche, unauffällig, typisch dänisch. Ruhig, gelassen und immer bedacht das Richtige zu tun. Nachdenklich und gleichzeitig voller Tatendrang und Enthusiasmus. Er gehört der vierten Kopenhagener Graffiti Generation an, Soten tritt in die Fußstapfen von großen Namen wie Rens oder auch Bates. alles andere werden wir jetzt mal Schritt für Schritt klären, beginnen wir erst einmal mit einer allgemeinen Sache. Wann hast du angefangen Deine Namen zu malen und warum? Gibt es einen bestimmten Grund, warum du Soten gewählt hast, gibt es eine Bedeitung dafür?

Hmmm, ich habe Mitte der 90er Jahre begonnen zu malen. Eigentlich habe ich angefangen den Namen ohne E zu schreiben, aber nach einigen Pieces habe ich dann das E dazu genommen, um das Piece besser auszubalancieren. Es gibt keinen richtigen Grund für den Namen und er hat auch keine Bedeutung. Es ist einfach nur eine Kombination aus Buchstaben, die mir sehr gut gefallen, auch heute noch

Das heißt es ist Dir egal welchen Namen du malst, da er für dich keinerlei Bedeutung hat? Bedeutet du würdest den Name auch ändern, wenn du müsstest und es dein Leben als Writer wäre dadurch in keinerlei Hinsicht beeinflusst?

Diese Buchstabenkombination ist meine, nein ich denke nicht, dass ich jemals den Name ändern werde, denn er hat mich bis heute auf einem langem Weg begleitet.

Sind der Name und die Buchstaben das Wichtigste für dich als Writer?

Style ist die Nummer eins. Der ist sehr wichtig und macht den Writer an sich aus. Wenn du deinen eigenen Style hast, dann kannst du jeden Namen malen und die Leute werden immer erkennen, dass du es bist.

Aber was ist das Faszinierende daran 10 Jahre oder länger die gleiche Buchstabenkombination zu sprühen? Geht es darum nach dem Perfekten zu streben?

Das Gleiche 10 Jahre lang zu machen ist durchaus eine Herausforderung. Ich versuche jedes Mal das perfekte Piece zu machen, aber auf der anderen Seite denke ich nicht wirklich, dass das perfekte Piece existiert und falls es das doch einmal gegeben hätte, würde es das Ganze doch nur langweiliger machen

Ist Graffiti langweilig? Ich meine das, was wir klassisches Graffiti nennen?

Langfristig gesehen? Vielleicht! Ich weiß nicht, aber genau deswegen hören manche Leute einfach auf oder werden weiser. Für mich ist Graffiti jedoch definitiv nicht langweilig, da ich, wie gesagt nicht denke, dass das perfekte Piece existiert, ich aber nach wie vor viel Energie habe, um herauszufinden, ob ich das Unmögliche schaffen kann.

Passiert Graffiti für dich mehr auf einem persönlichen Level in einem großen Netzwerk der Szene oder ist es dir egal, was um dich herum stattfindet? Ich meine, viele Leute geben viel auf die sogenannte Graffiti-Szene. Die Anonymität so denkt man spielt eine große Rolle aber die Kommunikation auf einem persönlichen Level ist für ebenso viele sehr wichtig. Dann gibt es aber auch die Einzelkämpfer, die machen einfach ihr Ding. Wie wichtig ist es dir ein Teil der Graffiti-Szene zu sein?

Wow, das ist eine schwierige Frage………Hmm, ich schätze ich bin schon ein Teil der Graffiti-Szene auf eine bestimmte Art und Weise. Einfach schon, indem ich beispielsweise dieses Interview gebe oder durch andere Dinge, die ich tue, wie die Teilnahme an Events, Sponsorings oder mein Internet Blog. Und selbstverständlich bin ich froh darüber die Möglichkeit zu haben, das alles tun zu können. Das ist aber nicht der Grund, warum ich mit Graffiti angefangen habe, es ist also nichts wofür ich alles machen würde.

Macht Graffiti dein Leben schöner?

Oh, um Himmels Willen ja! Graffiti ist meine Bestimmung! Frauen und Drogen, hahahahahahahaha!

Manchmal kombinieren die Leute das! Du nicht?

Klar, ich versuche alles zu kombinieren und ein normales Leben mit Mädels ,Parties etc. ist sehr wichtig für mich, um ein kleines bisschen Abstand vom Graffiti zu bekommen. Aber trotzdem brauche ich auch das Gefühl ein schönes Pieces auf einen Zug oder eine Wand zu bringen. Das macht mich auf eine ganz besondere Art und Weise glücklich. Damit können nur einige wenige Dinge mithalten. Ich habe schon viel mitgenommen und mitgemacht, aber Graffiti ist meine Droge und es wäre sehr hart für mich ohne sie zu leben.

Ist Graffiti etwas, was du als “Kunst” oder eine “kreative Sache” bezeichnen würdest; wie zum Beispiel klassisches heute sehr präsentes Streetart, die gerade ein großes öffentliches Interesse weckt oder es zumindest versucht.

Keine Ahnung, ob Graffiti Kunst ist oder nicht. Aber um ehrlich zu sein, denke ich nicht. Es sollte ein kreatives Ding sein und bleiben ja!Denn wie sollte man es sonst nennen: das Alphabet auf so viele verschiedene Art und Weisen zu swingen?

Ja, man kann es Stylewriting nennen, oder eine Abart der Kalli- und gestalterischen Typografie, aber die Definition Kunst ist wohl tatsächlich falsch inteepretiert, zumindest wenn wir über das klassische Graffiti sprechen, welches Du ja praktizierst. Was hältst du eigentlich davon, dein Zeug irgendwann in eine Galerie zu hängen? Eines Tages?

Hmmmm, zur Zeit ist es so, dass ich ab und zu eine Leinwand male und das ist sicher etwas, was ich eines Tages gern öfter machen würde. Aber im Moment ist Graffiti für mich eine Sache, die ich hauptsächlich auf Züge und an Wände bringe.


Welche würdest du als die heisse Phase von Graffiti in Kopenhagen bezeichnen? Die heutige Zeit oder irgendwann vor vielen Jahren?

Für Kopenhagen selbst war die Hochphase meiner Meinung nach in den Neunzigern. Da gab es so viele talentierte Writer und im Vergleich zu heute ging es damals dann doch etwas mehr um Style.

Ok, also kommen wir doch wieder zum Style zurück. Du meinst sicherlich den heutigen Trend hinsichtlich Style? Bist du einer derjenigen welcher mit dem heutigen Trend und der Style Evolution teilweise nichts mehr anfangen kann oder ist das für Dich der Weg in die richtige Richtung. Ich mag das Wort nicht aber lass es uns Anti-Style nennen. Was sagst du dazu? Warum kommt sowas zustande heutzutage, gerade wenn man auf die Neunziger zurückblickt?

Der neue Style, der gerade seit 3 bis 4 Jahren aufkommt meinst Du

Ja

Ich denke, eins der größten Probleme ist, dass ein großer Teil der Generation, die in den Neunzigern dazukam ihren Einfluss aus Stuff wie Wildstyle oder Stylewars genommen haben. Das ist das Ding, was vielen von den neuen Graffiti-Kids heute komplett fehlt. Die sind total anders in die Graffiti-Szene reingekommen und dachten es ist cool und geht darum Vandalismus in der ganzen Welt zu verbreiten. Darum geht es aber mir nicht, Vandalismus ist eine Begleiterscheinung welche es gilt manchmal zu rechtfertigen, ja aber mehr nicht. Das ist es auch, warum viele gar nicht über gewisse Regeln bescheid wissen, wie zum Beispiel keine Styles zu biten oder jemanden zu crossen welche schon 10 Jahre mehr auf dem Buckel hat.

Du meinst, dass was Leute „back in the days“ Respekt nannten?

Yo, genau!

Wenn du mir als Tourist Tipps geben müsstest, wie man am Graffiti in Kopenhagen erleben kann, wo würdest du mich hinschicken?

Ich denke nicht, dass ich dich an nur einen bestimmten Ort schicken würde. Aber wie du wie in jeder anderen Stadt auch an den Hauptbahnhof gehen würdest, um alle bemalten Züge durchfahren zu sehen, müsstest du hier einfach einen Spaziergang nach Nørrebro machen. Dort ist ohne Zweifel der meist gebombte Ort in ganz Kopenhagen. Abschließen musst du deinen Ausflug dann an der Hall of Fame am Südhafen, wo du alle aktuellen Burner checken kannst.

Würdest du Kopenhagen als eine der 10 Hauptstädte hinsichtlich ihres Stellenwertes in der weltweiten Graffiti-Szene bezeichnen?

Mit der Menge an fähigen Writern, die von hier kommen und unserer ganzen Geschichte im Verhältnis zur Größe des Landes, klar, dann hätte ich auch ja gesagt wenn du mich nach den Top 5 gefragt hättest.

Hat dich eher die erste, zweite oder eher die dritte Kopenhagener Generation inspiriert?

Ganz klar, die ältere Generation. Egal, ob vom Style her oder bis hin zu der Art und Weise, wie du Graffiti lebst und an die Sachen herangehst.

Warum denkst du dieses “each one teach one” und die Weitergabe gewisser Dinge von einer Generation an die andere funktioniert heute nicht mehr wirklich?

Da sind wir wieder an dem Punkt, dass es verschiedene Wege gibt den Einstieg in Graffiti zu haben und dass das “Wie” dabei eine große Rolle spielt. Ich selbst habe immer versucht der jüngeren Generation gewisse Dinge beizubringen, wie es auch meine Freunde Bates und Tiws mit mir vor vielen Jahren getan haben.

Was hast du so für Erfahrungen auf deinen Reisen gemacht? Spürst du einen anderen Vibe in Paris oder Melbourne oder auch Berlin?

Egal wo ich hingehe, der Vibe ist immer anders. In einigen Städten ist die Szene rauer als in anderen, aber die gute Sache daran Reisender zu sein ist, dass man mit dem ganzen Bullshit nichts zu tun hat und einfach nur die Liebe von allen Seiten bekommt.

Hilft das Internet dabei, Graffiti zu promoten oder stellt es heute eher ein Problem dar? Was denkst du?

Internet hat sein Gutes aber auch sein Schlechtes. In Hinsicht auf Graffiti , kann ich sagen, dass ich das Internet liebe. Auf der einen Seite ist es gut für einen Künstler, um sich und seine Werke zu promoten und es ist eine gute Möglichkeit mit anderen Leuten zu netzwerken. Ich selbst habe auch einen eigenen Blog ilovegraffiti.de/soten mit ein paar anderen zusammen. Dort laden wir Bilder hoch und anderes Zeug, was wir interessant finden. Auf der Schattenseite stehen dagegen diese Internetforen, wo den ganzen Tag Toys davor sitzen und über Spots und andere Writer quatschen können, so dass es für Bullen ganz leicht ist dies mit zu verfolgen.

Wenn du entscheiden müsstest, wo du dich repräsentierst; käme eher ein Magazin oder eine Website in Frage?

Nichts kann damit mithalten in einem Magazin zu blättern, Fotos aus zu checken und Interviews zu lesen.

Kommen wir zu Deiner Crew.

Meine Crew sind ein Haufen Leute aus dem ganzen Land, die einfach nur zusammen rumhängen. Das hat nichts mit irgendwelchen Politics zu tun, dass du dies und das machen musst; einfach nur Freundschaft.

SSH. Was bedeutet das?

Im Originalen hieß es “Super Street Horses” aber heute heißt es soviel wie „Sneaky Steel Horses“ .

Wie denkst Du über Crews welche eine große Zahl an aktiven schlichtweg rekrutieren um so eine möglicht große Tragweite zu haben. In solchen Crews ist ja nicht selten dass sich die Mitglieder selbst gar nicht wirklich kennen. Ist das so in eurer Crew oder seid ihr alles richtige Freunde auf einem persönlichen Level? Ich denke, dass die Bedeutung einer Crews damals genau das war oder?… sich als eine Gang von Freunden zu repräsentieren, die aus der selben Ecke der Stadt stammen, richtig?

Das sollten die Leute machen, wie es ihnen gefällt. Aber für mich gibt es keinen Grund in eine Crew einzutreten, in der ich nicht alle Leute kenne. Irgendwie scheint das gerade ein großer Trend zu sein, dass Leute einfach Superstars zusammenrufen, die dann in diese großen Barcelona Fußballteams eintreten. Das sind Crews, wo die Hälfte einfach nur deswegen drin ist, weil sie großartige Writer, jedoch nicht weil sie Freunde sind. In meiner Crew sind wir alle Freunde und wir kennen uns seit Jahren. Die einen machen dies, die anderen das.

Da wir schon viel über Freunde gesprochen haben. Da gibt es dieses neue Projekt, was du mit Molotow machst, genannt „Molotow and Friends“?

Das „Molotow and Friends“-Projekt ist ein Projekt mit 24 Künstlern, die seit Jahren die Marke belton Molotow benutzen und nun einige ihrer unveröffentlichten Bilder zeigen, als eine Art Support oder Freundschaftsbeweis. Für mich ist auch ein stückweit Wettbewerb dabei, da es im Projekt schon eine Menge gibt, die man als die Schwergewichtler bezeichnen kann.

Ich überlege gerade, dir noch einige weitere Fragen zu stellen, aber ich denke das war’s. Wir müssen ja auch noch zur Tanke. Könntest du vielleicht noch ein paar Worte zum Abschluss sagen?

Erstmal Gruß und danke an meine Crew, und an Elsam, Tiws,Bates,Ken,Omsk167,Stoe,Egg,Zombie und Desm. Danke an Molotow für die Unterstützung, an Lars dafür, dass er immer da ist und an Mutti für das tolle Essen.

Wer Soten´s Blog folgen will. hier lang


Posted: 8. April 2010