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Manuel Gerullis Interview

Manuel Gerullis ist Vater, Writer und Graffiti Lobbyist. Wir haben uns mit dem symphatischen Veranstalter des MOS getroffen und ein kleines Interview geführt


Hi Manuel, stellt Dich unseren Lesern bitte kurz vor

Benannt Manuel, schreibe ich Cazo UCA, Yours S8 und komme aus Hessens Landeshauptstadt Wiesbaden, Heimatstätte des Meetings, zahlreicher Landes- und Bundesbehörden, gleich um die Ecke von Frankfurt und Mainz. Bin seit 1984 mit hip-hop infiziert und engagiere mich seit Mitte der 90er Jahre in Wiesbaden kulturell und politisch, der mind behind dem Meeting.

Was steckt hinter dem diesjährigen Motto „State Of Mind“, wie stehts um das MOS und die diesjährigen Events, speziell in Deutschland und der Schweiz. In Österreich plant ihr nichts oder?

„An ihren Taten, wirst Du sie messen können“ hat mal jemand gesagt. Die Art und Weise, wie wir konsumieren, produzieren, leben und handeln, wie wir mit einander alltäglich umgehen, Wirtschaft, Religion, Gesellschaft, Staat und Repression, hinter allem steckt eine Idee, eine Geisteshaltung. Ob politisch, gesellschaftlich, wirtschaftlich, diese Geisteshaltung lässt sich in Taten, Gesetzen, Entscheidungen ablesen. Wir wollen inspirieren, das eigene halden zu hinterfragen, denn die zugundeliegende Intention des individuellen Handelns ist wichtig bei allem was wir tun. Auch wir haben mit dieser gemachten Krise zu tun, insofern, als dass wir Sponsoren und Budgets verloren haben, was die Organisation und Realisierung nicht einfacher macht. Verhindern kann es das MOS aber nicht. Der Rückhalt in der Szene ist enorm, die lokalen Organisatoren sind motiviert. Trotz schrumpfender Budgets befindet sich das MOS im Wachstum. Es gibt neue Städte, neue Szenen, Künstler und Flächen in der schedule für 2010. In Österreich ist noch nichts konkret geplant. Steht noch aus und wird irgendwann kommen.In der Schweiz wird es wieder chillig in Zürich am See in der Roten Fabrik stattfinden. Sehr schön gelegen, entspannte Atmosphäre. Mit dem deutschen Meeting in Wiesbaden sah es zuerst mau aus. Der jahrelange politische Druck unserer Kritiker hat dazu geführt, dass die Stadt uns die Mittel strich. Glücklicherweise unterstützt uns die EU im Rahmen des Projektes „Jugend für Europa“, was ja gewissermassen auch eine Auszeichnung ist und zeigt, wie provinziell manche Kommunal-Politiker immer doch denken. Auch die Streichung von Budgets und öffentlicher Unterstützung durch die Stadt ist Ausdruck einer Geisteshaltung. Besonders interessantes Event: Belfast. Hier findet das MOS an der Peace-Wall statt.

Wir hatten erst kürzlich einen Artikel aus Wiesbaden online, kannst Du uns dazu einige weitere Informationen geben, was ist Stand der Dinge?

Seit der Entstehung des Wall-Street-Meetings mitte der 90er gibt es in Wiesbaden ein starke Fraktion von konservativen Kritikern, die sich bemühten den Projekten das Ende zu bereiten. Mittlerweile 14 Jahre lang werden die Graffiti-Projekte vehement politisch bekämpft. Broken-Windows, Zero-Tolerance, die gesamte Polemik und Diffamierung. Das ging soweit, dass die städtische CDU-Fraktion im Rathaus Fragen zur MOS-Page und zur Unterstützung durch das Jugendamt gestellt hat. Unsere Projekte wurden als Verschwendung von Steuer-Geldern für Graffiti-Schmiereien verunglimpft, Sprüher pauschal als Vandalen dargestellt. Nach langen Jahren Kampf gegen eine Mehrheit von aufgeklärten Geistern, haben die Klein-Geister dann doch einen kleinen Erfolg erzielt und es ist ihnen dann endlich gelungen uns die städtische Unterstützung für das MOS zu entziehen, das Event zu verhindern aber nicht. Seit Jahren leisten wir multikulturelle Zusammenarbeit, über ethnische und nationale Grenzen hinweg, verbinden Menschen aus der ganzen Welt, gestalten Unorte zu Galerien. Sie beschimpfen uns als Vandalen und Schmierer, konnten es aber nicht ertragen, dass wir sie „narrow-minded“ nannten und fühlten sich beleidigt. Bedenklich ist es, dass diese Leute das Recht in Anspruch zu nehmen, zu definieren, was Kunst ist und was nicht. Lieber Steuer-Geld für Dosen ausgegeben um Städte bunter zu machen, als für Waffen oder Banken. Aber ein Teil dieser Leute lebt offenbar noch im letzten Jahrtausend.

Wenn man aus der Region ist wie kann man unterstützend aktiv werden?

Um uns zu unterstützen, muss man nicht zwangsläufig aus der Region kommen. Jeder, der uns unterstützen möchte, kann eine Email an die Fraktionen im Wiesbadener Rathaus schreiben. Ganz einfach in diesem Post . Unterstützend wirkt es generell, wenn Maler einander mehr Respekt zollen, ob Tages- oder Nachtschicht und an einer Hall ihren Dreck mitnehmen – ein kleiner, aber wichtiger Beitrag zur Verbesserung des allgemeinen Klimas und zum Erhalt der paar legalen Spots.

Beschreibe mal bitte Aktion Farbenfroh, was ist das genau?

Zugrunde liegt die Idee, dass Farben auf Menschen wirken und die Vision einer Stadt-Galerie der Graffiti-Kunst. Wer nur von Grau umgeben ist, denkt und lebt auch so. Städte sind steril, rein funktional konzipiert und anonymisiert. Farben und Formen wirken hier belebend und positiv. Jede Stadt hat eine Unzahl grauer, toter Flächen. Diese Flächen zu gestalten, zu beleben, Wege aufzuzeigen, wie Graffiti und urbane Kunst in das Stadtbild integiert werden können. Es geht darum, Freiraum zu schaffen, neue Flächen aufzutun und Akzeptanz zu schaffen. Am Anfang hat das in Wiesbaden ganz gut geklappt, bis der Wechsel im Rathaus kam und der Wind aus der entgegengesetzen Richtung wehte.

Du malst selbst auch, wie lange schon? Erzähl mal etwas über Manuel den Writer

1985 habe ich mit Marker und Tags angefangen, 87 das ganze mal auf Metall getestet. Bin dann ziemlich darauf abgefahren, bis ich 92 von der Justiz gebremst wurde. Die Erkenntnis: Sie wollten meine Bilder nicht, nicht mal für umsonst und so musste ich zahlen, meine Nachtschicht war beendet. Dann begann ich erste Projekte zu organisieren, Workshops, Ausstellungen, Events. Obwohl ich all die Jahre immer gemalt habe, geht das wegen Job und Kind nur in der Tagschicht. Vorzugsweise male ich gerne Produktionen mit politischer Botschaft und mehreren Leuten. Ich liebe konstruktive ehrliche Zusammenarbeit mit Sinn und Botschaft.

Wie ist das Meeting of Styles eigentlich organisiert? Es sind ja meist nicht mehr die typischen Events im Vergleich zum Schlachthof damals. Oft sieht man eine eingerüstete Fassade, oder eine längere Wand welche dann im Rahmen des MOS bemalt wird. Hast Du Einfluss auf das was vor Ort passiert? Speziell im Ausland?

Im Grunde genommen sind wir ein Netzwerk von Aktivisten, die Graffiti und urbane Kunst lieben und praktizieren, vereint durch eine gemeinsame unkommerzielle und politische Intention. Wir wollen Künstler und Öffentlichkeit zusammenführen und zeigen über welches Potential unsere Kultur verfügt. Mal gelingt das etwas grösser und spektakulärer mit eingerüsteten Gebäuden, öfter mal an einem anderen Spot, öfter auch am gleichen. Mal ist die Wandfläche grösser, mal kleiner. Orte wie der Alte Schlachthof in Wiesbaden sind weltweit äussert selten und daher besonders. Generell ist der Ort abhängig von den lokalen Gegebenheiten. Die wiederum sind über Amerika, Europa, Westen, Osten, Süden hinweg sehr unterschiedlich. Dabei erüllen alle Meetings grundlegende Kriterien wie zB frei von Eintritt, zentrale und öffentliche Lage, Mindestgrösse, Qualität, Infrastruktur, Netzwerk. Sind diese nicht erfüllt, kann es kein MOS sein. Im Vordergrund steht für uns immerdas Zusammenführen von Menschen und die Zusammenarbeit.

Wie verdienst Du Dein Geld, wir gehen mal davon aus allein das MOS und Aktivismus füllt Deinen Kühlschrank nicht oder?

Die ganzen Jahre bis zur Krise wurden mein Engagement anteilig von Sponsoren gedeckt. Nachdem das letzte Jahr schon zurückging, fällt das dieses Jahr natürlich weg. Da das MOS aber auch sehr viel Zeit und Resourcen in Anspruch nimmt, müssen langsam Wege her, um das Festival unabhängiger von Sponsoren zu machen, wenn es in Zukunft weiterleben soll.Ein neuer Weg könnte der Download-Store sein oder das limitierte Shirt, das jetzt rauskommt. Um meine Grundbedürfnisse und Sozialversicherungen zu decken verdiene ich mein Geld als Teilzeit-Angestellter. Es genügt, um das zu tun, was ich möchte. Ausserdem male ich Aufträge, handele im S8Yard mit Dosen und Supplies und biete Workshops für Kids an. („Each one got to teach one“, nur so halten wir Kutlur an den Wurzeln lebendig.) Geld ist zwar wichtig zum Leben, aber nur bis man über ausreichend davon verfügt. Ich denke, es sollte nicht die Grundmotivation des Handelns sein, denn das Leitmotiv Geld, Ruhm, Prestige, Besitztum ist einfach falsch. Wahre Anerkennung und Respekt kann nicht erkauft werden mit Kohle und Marken. Man erntet es, oder eben nicht. Wohin Geld als Leitmotiv führen kann, sehen wir doch alltäglich an Leuten, die es vorziehen ein Leben in Luxus auf Kosten anderer zu führen.

Was können wir von Dir und dem MOS in der Zukunft erwarten?

Das Meeting geniesst einen starken Rückhalt in der Szene. Und wir hoffen, dass dieser stark genug ist, um unabhängiger von Sponsoren und deren Gaben zu werden. Kürzlich ging der Download-Store online, auf dem wir die zwei MOS-DVDs anbieten. Wir wollen Artists in Form von Audios und Videos weltweit featuren, hoffen aber auch einige Kosten zu decken. Dann gibt es ein limitiertes MOS2010-Shirt von Dems333 und Aryz. Ausserdem haben sich verschiedene Aktivisten in Wiesbaden zusammen getan und Collabo e.V. gegründet, der Ende Juli in Wiesbaden eine Location beziehen und Kontext – das Zentrum für urbane Kultur eröffnen wird. Zur Eröffnung wird es eine Expo mit grossformatigen Foto-Abzügen der Burner-Wände vom MOS worldwide geben mit einer kleinen Doku über das Wall-Street-Meeting. Die Fassade wird eingerüstet und das Gebäude komplett bemalt. Wir werden dann regelmässig Ausstellungen, Art-Shows, Konzerte und ähnliches veranstalten, und das ganze in der Nähe zum Schlachthof.

Danke für das Interview, wie errreicht man Dich online im Falle jemand will Dich kontaktieren?

Updates, Kontakt am besten über die Sites www.MEETINGOFSTYLES.com und www.S8YARD.de

Educate, Collaborate, Evolute! Danke ILG!


Posted: 28. April 2010