rss instagram

Interview mit Thierry Furger

Im März eröffnete Thierry Furger die Ausstellung ‘Buffed Paintings’ in der Züricher ArtSeefeld Gallery. Wir haben uns mit dem Schweizer über die Hintergründe und das Thema Buff unterhalten können.

Hi, stell Dich uns mal kurz vor bitte

Ich lebe in Zürich als Grafiker und Künstler. Ich interessiere mich seit Ende der Achtziger Jahre für Graffiti. Ich verfolge seit dieser Zeit viele Writer auf ihrem Weg und finde es immer wieder sehr spannend was diese neues produzieren. Auch verfolgte ich sehr genau wie sich ein paar Writer langsam in die Galerien wagten. Ich war sehr lange skeptisch bevor ich mit meiner Idee nun auch den Schritt an die Öffentlichkeit wagte.

Um was ging es Dir in der “Buffed Paintings” Show?

Mein Ziel war es eine Ausstellung zu machen die das eigentliche Grafftit representiert. Eine Art Hommage an Writer die Risiko auf sich nehmen und das klassische Graffiti am Leben erhalten. Das meiste Hochglanz Graffiti auf Leinwand in Galerien gefällt mir nicht so. Mir gefällt das dreckige, spontane und schnelle Umsetzen draussen. Ich versuchte all das in den Ausstellungsraum zu transportieren. Ich wollte natürlich etwas neues zeigen, etwas dass ich so noch nicht kannte. Ich bin recht happy dass ich mit dem ‚Buffed Paintings‘ Ding etwas eigenes erschaffen habe.

Warum dieses Thema?

Die Sache mit dem Buffen liegt deshalb gerade zu auf der Hand. Jedes Graffiti das nicht auf einer erlaubten Fläche ist, sei es auf der Wand oder einem Zug, wird sehr schnell wieder entfernt in meiner Stadt. Deshalb habe ich genau das gemacht was die Behörden auch machen, ich buffe Pieces von Writern auf Leinwänden und Metallboards. Meine Leinwände sollen die Wände/Strassen symbolisieren die ich mit Antigraffitifarbe überstreiche. Die Metallboards buffe ich wie Züge gereinigt werden. Die Pieces lasse ich von Writern anfertigen, ich übernehme dann den Buff Part. Ich finde Graffiti etwas grossartiges, aber Graffiti in einen Ausstellungsraum zu transferieren finde ich, wie gesagt, recht schwierig. Denn Graffiti lebt von der Umgebung und dem Medium wo es drauf ist. Deshalb wollte ich auch etwas machen dass auch einige Fragen aufwirft und Leute zum Nachdenken bewegt. So geht es mir um die Beantwortung von Fragenz.B. der Motivation der Writer immer wieder neue Bilder zu erstellen obwohl die nur kurz stehen werden.

Die Vorstellung finde ich schon sehr faszinierend, ein Writer geht immer wieder raus, mit dem Willen das beste Piece zu malen, er bereitet sich vor, kauft Cans und macht Skizzen dafür. Im besten Fall kriegt er dann von dem Bild ein Foto, vielleicht nicht mal das. Und das immer wieder von vorne… Ich kenne keine andere Kunstrichtung wo der Künstler so bewusst mit der Vergänglichkeit seiner Werke umgeht.

Obwohl den Writern ihre Bilder auch sehr am Herzen liegen. Aber es liegt auch daran dass die Writer einfach machen und sich nicht jedes mal überlegen was sie das eigentlich da genau machen. Einfach machen ist immer gut.

Erzähl mal vom Opening

Die Show fand in einer klassischen Galerie statt, die Stimmung war sehr angenehm. Natürlich war die Live performance des Buff Teams Schöns Züri (Nice Zurich) sehr toll. So konnte ich den Besuchern zeigen was unter den grauen Farbe steckt – schöne bunte Pieces.

Wie waren die Reaktionen?

Die Reaktionen waren sehr toll, gerade auch von Leuten die einen Kunstbackground haben. Sie verstehen meine Arbeiten und finden die zerstörten Bilder trotzdem ästhetisch. Besondes die Metallboards wo praktisch nur gebuffte Farben zusehen sind kamen super an, da diese ins Abstrakte reingehen. Diese sehr abstrakten Bilder sind auch meine Favoriten und wird auch dass sein was ich als nächstes noch mehr zeigen werde. Was meine Arbeiten auch etwas speziell macht, ist dass sie zum Teil nicht mehr lesbar sind. Deshalb muss sich der Betrachter auch mehr Mühe geben um etwas zu erkennen. Sobald der Durschnitts Betrachter nur Buchstaben sieht liest er diese und ist somit zufrieden wenn er diese entziffert hat.

Was sind Deine Erfahrungen mit dem Buff mal abgesehen davon was Du in der Ausstellung bereits gezeigt hast?

In meiner Stadt wird seit einigen Jahren sehr konsequent gebufft. Innert Tagen sind Tags und Bilder meistens überstrichen. Bilder die 20 Jahre alt waren, zum Teil etwas verblasst, wurden so auch zerstört. Für mich gehörten solche alten Klassiker zum Stadtbild dazu. Aber genau solche Bilder trägt man doch jetzt ein lebenlang als Erinnerung in sich mit, was doch auch etwas schönes ist.

Du kommst aus Zürich, wie schauts dort aus um den Buff?

Die Stadt Zürich in der ich lebe hat eindeutig Überhand gegenüber den Writern, die Konsequenz der Stadt hat mittlerweile die meisten Writer etwas zermürbt, schöne Bilder werden nicht mehr auf die Wände gemalt die immer wieder gebufft werden. Höchstens noch Throw-Ups und Tags. Was sich leider auch auf die Qualität der Styles und auf viele negative Reaktionen der Passanten auswirkt. Zürich ist eine sehr schöne kleine Stadt mit vielen sehr alten Gebäuden. Wo Graffiti ehrlich gesagt auch nicht überall hinpasst. Im Gegenzug stellt aber die Stadt Zürich einige Freiflächen zur Verfügung. Aber da übermalen sich die Writer gegenseitig im Tagesryhtmus was ja eigentlich auch nicht Sinn der Sache ist.

Kennst Du die Buff Situation in anderen Städten näher?

In vielen Grossstädten ist die Situation ähnlich wie in Zürich, in Barcelona wird anstatt mit grau einfach mit Beige übermalt. Die ganze Broken-WindowsTheorie von Rudolph Giuliani hat sich mittlerweile recht verbreitet. Es gibt ja auch einige Experimente die beweisen dass in einem dreckigen Umfeld mehr Verbrechen passieren.(link) Es gibt sicher au ch einige Ausnahmen wie z.B. in Italien wo gar nicht oder sehr schlecht gebufft wird. Diese Geisterbilder die so auf den Zügen zurückbleiben existieren dann meist für sehr lange Zeit. Diese halb gebufften Zügen haben mich natürlich auch inspiriert.

Hast Du Vorbilder im, nennen wir es mal “Kunstsektor”?

Die ersten Künstler die ich sehr bewusst wahrnahm waren die Pop-Art Künstler. Keith Haring war sicher der wichtigste davon für mich. Wenn ich jetzt mal immer wieder in Bücher über ihn reinschaue, dann wird mir immer wieder bewusst was er alles geleistet hat. Die Drips die jetzt noch immer hip sind, hat er vor 20 Jahren schon eingesetzt. Der erste grosse Künstler in den Strassen draussen. Seine Werke mit Kreide in den U-Bahnstationen sind top!

Was ich ich mir sicher auch anschauen werde ist die Ausstellung über Basquiat im Beyeler Museum bei Basel. Übrigens eines der schönsten Museen
in der Schweiz. (Link)


Was kommt in Zukunft von Dir?

Ich möchte dieses Jahr gerne nochmals eine Show machen, da ich gerade von den Vorbereitungen auf diese erste Show noch viele Ideen habe zum Umsetzen, auch all den guten Reaktionen motivieren mich sehr. Danke an Ruedione

Was ich auch sehr gerne machen würde: eine Show wo ich nur gebuffte Bilder zeigen werde, die von meinen favorisierten Writern sind. Von Seen bis Roise…

Danke für das Interview!

http://www.buffedpaintings.com
http://www.ruedione.com/series/buffedpaintings/


Posted: 12. Mai 2010