Weit über ein Jahr ermittelte die Bundespolizei Köln gegen einen mutmaßlichen Sprüher, durchsuchte Wohnungen, observierte Personen, wertete Tausende Daten aus und war sich am Ende ihrer Sache so sicher, dass sogar eine Pressekonferenz abgehalten wurde, um den Triumph der Öffentlichkeit zu präsentieren. Die Kölner und NRW Medien überschlugen sich mit Schlagzeilen wie “Schlimmster Graffiti-Schmierer der Welt gefasst” oder “Der König der Sprüher sitzt”, allen voran die Kölner BILD Zeitung. Auch einige Blogs aus der Szene schrieben blind ab was da verkündet wurde. Vom 30.10.2011 bis 06.11.2011 gab es Berichterstattung in 3 Etappen, nachdem die erwähnte Pressemitteilung in einer offiziellen Pressekonferenz durch Bundespolizei Sprecherinen Sandra Heeg und Nadine Peters sowie den Inspektionsleiter Helge Scharfsheer und die Ermittler Jürgen Mießner und Dirk Frosihn verlesen wurde. Schadenssumme: 200.000 Euro. Dann wurde es ruhig, ein schnelles Verfahren nach Auswertung der vorliegenden Fakten folgte und am 23.12.2011, also ca 1 Monat nach der ominösen Pressekonferenz dann ein Urteil im Fall “FOIM”. “…der Schaden und sogar die Größe der jeweiligen Grafftis seien geschätzt worden. Hierdurch wurde auf dem Papier eine immense Schadenssumme geschaffen, die bei näherer Überprüfung „wie eine Seifenblase zerplatzt ist“ so Verteidiger Dr.Gau in der abschliessenden Pressemitteilung. Weitere Presseartikel zu dem Thema folgten weder in der BILD Zeitung noch dem Kölner Stadtanzeiger oder anderer Medien aus NRW. Eine kurze Chronik über die Finte des Jahres nach dem Jump…

Schlimmster Graffiti-Schmierer der Welt gefasst
Kölner (29) sprühte in Barcelona, London, Paris!
30.10.2011 / BILD ZeitungKöln – Weltweit sprühte er seinen Schriftzug an Bahn-Waggons, S-Bahnen und Straßenbahn-Züge.
Für „Sprayer“ ist das die Königsdisziplin. Für Ermittlungs-Behörden und Betroffene ist es Geschmiere und Sachbeschädigung.
Jetzt hat die Bundespolizei einen Star der Szene geschnappt.
Anderthalb Jahre dauerte die Fahndung. Er nennt sich „Foim“ – und ist ein 29-jähriger Kölner!
Er selbst hat zahlreiche Videos seiner Spray-Aktionen ins Internet gestellt: Mit weißer Sturmhaube, dunkler Sportkleidung und Turnschuhen markiert er in den Clips U-Bahnen in Kiew, Berlin, Brüssel, Paris, Wien, Budapest, New York und England.
Laut Behörden soll er im Großraum Köln an Bundesbahnen einen Schaden von rund 200 000 Euro verursacht haben.
Auch die Kölner Verkehrsbetriebe wollen jetzt prüfen, welche Graffiti auf seine Kappe gehen. Ein KVB-Sprecher: „Wir haben alle Graffiti fotografiert, Datum und Fläche dokumentiert. Auch die dafür anfallenden Reinigungskosten. Denn für uns ist das kein Kavaliersdelikt, sondern verursacht jedes Jahr rund 500 000 Euro zusätzliche Kosten.“
Am Freitag will die Bundespolizei weitere Details bekannt geben. Unklar, welche Forderungen auf Serien-Sprayer „Foim“ zu kommen.
Oldie-Sprüher „OZ“ (61, über 120 000 Schriftzüge) wurde im Juli zu 14 Monaten Knast verurteilt.

Sprecherinen Sandra Heeg und Nadine Peters, Inspektionsleiter Helge Scharfsheer, die Ermittler Jürgen Mießner und Dirk Frosihn (von links)
Graffiti-Sprayer verriet sich durch eigene Videos
200 000 Euro Schaden
04.11.2011 / BILD ZeitungKöln – Seine Eitelkeit wurde ihm zum Verhängnis. Ein offenbar international agierender Graffiti-Sprayer stellte Videos seiner Schmierereien ins Internet, verriet sich somit durch seine eigenen Videos.
Ein Abgleich mit Überwachungsvideos eines Verkehrsunternehmens überführte den 29-Jährigen!
Der Mann sei trotz Maskierung erkannt worden, erklärte die Bundespolizei. Bei einer Hausdurchsuchung entdeckten Ermittler umfangreiches Beweismaterial.
Der Sprayer war seit 2006 unter dem Pseudonym „Foim“ aktiv, besprühte vor allem Züge und Stationen der Deutschen Bahn
Allein im Zuständigkeitsbereich der Bundespolizei-Inspektion Köln soll der Schaden 200 000 Euro betragen! Der Mann sei aber auch in anderen Ländern aktiv gewesen, berichteten die Ermittler.
Anderthalb Jahre wurde nach dem gebürtigen Kölner gefahndet. Ihm droht eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren.
Der Sprayer ist bisher auf freiem Fuß, verweigert jede Aussage und erscheint auch nicht zu Anhörungsterminen, sagte Helge Scharfscheer, Inspektionsleiter der Bundespolizei Köln.
Die Deutsche Bahn beziffert den durch Vandalismus angerichteten Schaden auf 50 Millionen Euro jährlich. Neben Graffiti zählen dazu auch Beschädigungen wie zerkratzte Scheiben und aufgeschlitzte Sitze.
Den Schaden, der durch Graffiti allein in deutschen Bahnhöfen entsteht, bezifferte ein Bahnsprecher auf zehn Millionen Euro.
Letztes Jahr hat die Bahn in Kooperation mit dem Land Nordrhein-Westfalen eine Offensive gegen Verunstaltungen durch Graffiti an Bahnhöfen und Haltepunkten ins Leben gerufen. Die 100 am stärksten betroffenen Stationen waren Anfang 2011 von den Schmierereien befreit. Zusätzlich wurden gefährdete Stellen mit einem Schutz versehen, um die Farbe leichter entfernen zu können.
Ziel sei es, den Sprayern ihr Erfolgserlebnis zu nehmen. Die Deutsche Bahn versuche, sämtliche Graffiti innerhalb von 72 Stunden zu entfernen, sagte ein Bahnsprecher. In Bayern gibt es dafür ein „Graffitimobil”. Das wird umgehend gerufen, wenn ein Sprayer zugeschlagen hat.

Er sprühte in aller Welt Schlimmster Graffiti-Schmierer schwänzt Verhör
06.11.2011 / BILD ZeitungKöln – Einzelheiten zur Verhaftung des schlimmsten Graffiti-Schmierers der Welt „FOIM“ hatte die Bundespolizei angekündigt. Und dann dieser Auftritt auf der einberufenen Pressekonferenz…
Warum sitzt FOIM nicht in Haft, wollte BILD wissen? „Es gibt keinen Haftgrund“, so Inspektionsleiter Jürgen Scharfsheer. Besteht nicht der Haftgrund „Wiederholungsgefahr“, fragte BILD. „Bei Delikten wie Sachbeschädigung spielt das keine große Rolle“, so die Polizei.
Allein in Köln hat FOIM einen Schaden von 200 000 Euro angerichtet.
Aber er schmierte weltweit. Haftgrund Fluchtgefahr? „Zur Vorladung zum Polizei-Verhör ist „FOIM“ nicht erschienen“, gesteht die Bundespolizei. Möglich, dass sie deshalb nix Neues zu berichten hatte.
Angeblich hätten sie „FOIM“ gefasst, weil er sich durch seine eigenen Videos im Internet verraten hätte. Ein Abgleich mit Überwachungsvideos der Bahn führte zur Identifizierung.

Kölner Staatsanwaltschaft stellt Verfahren gegen weltweit gesuchten Graffitisprayer ein
23.12.2011 / Pressemitteilung Rechtsanwalt Dr.Gau via OpenPRWeit über ein Jahr ermittelte die Bundespolizei Köln gegen den weltweit gesuchten Graffitisprayer FOIM, durchsuchte Wohnungen, observierte Personen, wertete Tausende Daten aus und war sich am Ende ihrer Sache so sicher, dass sogar eine Pressekonferenz abgehalten wurde, um den Triumph der Öffentlichkeit zu präsentieren. Allerdings haben die Beamten die Rechnung wohl ohne den Wirt gemacht, denn die Staatsanwaltschaft Köln stellte das Strafverfahren nun ein. Nach den zahlreichen Presseberichten in überregionalen Zeitungen ein überraschendes Ergebnis.
„Die von der Polizei veröffentlichten Pressemitteilungen spiegelten eher ein Wunschdenken als die Realität wieder“, so der Verteidiger des Beschuldigten, Rechtsanwalt Dr. Patrick Gau aus Dortmund. Er ist auf die Verteidigung von Sprayern spezialisiert, hat bundesweit bereits in weit über hundert Städten Sprayer vor Gericht verteidigt. „Graffiti-SoKos verfahren immer nach Schema F: Ein Graffitiname wird immer nur von derselben Person gesprüht. Dass durch eine solche pauschale Zuordnung schnell Hunderte Verfahren „aufgeklärt“ werden, ist kein Wunder. Das geht aber an der Wirklichkeit vorbei.“ Selbst der Schaden und sogar die Größe der jeweiligen Grafftis seien geschätzt worden. Hierdurch wurde auf dem Papier eine immense Schadenssumme geschaffen, die bei näherer Überprüfung „wie eine Seifenblase zerplatzt ist“, so der Fachanwalt für Strafrecht.
Dr. Patrick Gau
Arndtstr. 73
44135 Dortmund
Tel.: 0231 / 18 9999 40
Fax: 0231 / 18 9999 50
Quellen: BILD Zeitung, Open PR
Foto: Mario Jüngling
Weitere Informationen zu Rechtsfragen: ILG Interview mit Dr.Gau





