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Interview mit Curtis


Wir haben uns mit einem der aktivsten Graffiti Writer aus Wien unterhalten, den Auszug aus einer angenehmen Unterhaltung mit Curtis sowie Fotos gibt´s im Interview nach dem Jump!

Du malst schon viele Jahre in und um Wien,  was hat sich bezüglich Graffiti in der österreichischen Hauptstadt in den letzten Jahren getan beziehungsweise geändert?

Für mich nicht viel…es gab und gibt einen kleinen aber feinen Kreis an Weggefährten und mehr brauch ich nicht. Generell gibt’s die letzten Jahre viele die nachrücken…man wird sehen wer und was übrig bleibt.

Graffiti Touristen, besonders wenn es um Graffiti auf Zügen geht, sind eher ein Segen oder ein Leid, was meinst Du? Schadet die sehr zentrale Lage in Europa der lokalen Graffiti Szene?

Alle Freunde von mir sind immer willkommen die Anderen sollen bleiben wo sie sind! System- und Panelzähler, Schlafplatzschnorrer, Spotvertagger, Silberrotzmaler und ich bring zu Hause nix auf die Reihe und schmier lieber bei euch Maler….alles schon gehabt…..So was kann kein Segen sein!

Um was geht es Dir als Graffiti Sprüher? Teil eines Spiels zu sein, ein Player  der immer versucht an der Pole Position mitzufahren oder sind die Zeiten vorbei?

Wo ist die Poleposition? Es kommt immer auf die Perspektive an. Leute mit 300 Pannels haben einen anderen Maßstab als Writer die nur auf ein Drittel kommen, aber man muss sich die Frage stellen was am Ende übrig bleibt. Und wenn es nur Ruhm ist, dann hat schon Castro gesagt dass all Ruhm dieser Erde in ein Sandkorn passt. Es schwimmt natürlich immer was von diesem Ruhm mit, ob man will oder nicht, aber mir geht’s um die Weiterentwicklung als Mensch und als Writer…so phatetisch das auch klingt, Spass an der Sache, der Reiz des Verbotenen, Aufbegehren, Freiheit, Welt entdecken, die schrägen Geschichten, Freundschaft, der Flavour in der Nacht sowohl im Yard als auch auf der Strasse und der Zuglinie….

Wenn Du frei wählen könntest was Du des Abends machst, U-Bahn, S-Bahn, Zuglinie ode Straße? Oder ist das stimmungsabhängig?

Es ist ganz ehrlich stimmungsabhängig…aber wenn man die ultimative Entscheidung treffen müsste, weil die Stadt Wien sagt euer Zeugs is so “schiach” (hässlich), aber menschlich seit ihr so “leiwond” (cool) und in Ordnung bitte entscheidet euch für was, dann wärs die Strasse!


In Österreich wird mit dem GoOn Magazin, der Website spraycity.at und dem neuen Offline Magazin mittlerweile sehr viel dokumentiert. Dazu kommen weitere Plattformen im Internet, fördert das Deiner Meinung nach oder stört das?

Web und Print geben immer nur ein subjektives Bild einer Stadt oder Szene wieder, auch wenn man sich bemüht objektiv zu sein.
Ob das für den Einzelnen was bringt oder nicht kann ich nicht beurteilen…Graffiti geht eben auch mit der Zeit und jeder ist mündig genug das für sich selbst zu entscheiden. Ich persönlich bevorzuge das gedruckte Medium. Man kann 100 Bilder in 10 Minuten scrollen, aber ein gutes Mag hat sich seinen Platz am “Häusel” (WC) gesichert. Aber egal wie man mit diesen Medien umgeht, sollte man sich darüber klar sein das das nicht die 100 prozentige Wahrheit ist und sein kann. Viel zu viel Fehlinformation,…und Graffiti geniesst man am besten LIVE und DIREKT.

Du bist einer der aktivsten Writer Österreichs, und das schon eine sehr lange Zeit. Du hast sicherlich viele Kommen und Gehen sehen. Warum ist es doch letztendlich so dass die wenigsten Writer lange aktiv bleiben und was treibt Dich nach so vielen Jahren immer noch raus?

Wenn es nur um den Ruhm geht und man nicht längere Zeit malt kennt einen sehr bald keine Sau mehr!

Wenn es um Anerkennung geht und man nicht zu einem selbstständigen und starken Menschen reift haut man sich irgendwann vorm Zug, oder wird Streetartist!

Wenn es ums Panel und System zählen geht ist man irgendwann fertig, jedoch was ist geblieben ausser hunderte von Bildern die alle gleich aussehen!

Es gibt sicher viele Gründe warum wer malt, aber einer sollte nie fehlen…Leidenschaft!….und dann klappts auch mit der Beständigkeit! Alles andere hatten wir eben schon.

Wenn man in Wien legal malen will gibt es wahrscheinlich viele interessante Spots. Wo würdest Du jemanden hinschicken bzw mitnehmen um einfach mal entspannt in der Sonne zu sprühen?

Am besten man geht auf wienerwand.at da sind all die legalen Spots drauf. Wenn man Baden will neben dem Sprühen, dann ab auf die Nordbrücke.

Und wo kann man sich in Wien Dosen kaufen wenn man von auswärts kommt?

Somogyi Colorstore, ein Wiener Unikat!

Wie kam es eigentlich zu Deinem Writernamen?

Zu viel Funkmusic! Zu Superfly für die Welt!

Wie ist die rechtliche Lag momentan in Wien, wird mittlerweile härter durchgegriffen als vielleicht noch vor 5 Jahren? Ihr habt ja auch eine SoKo oder?

Ja. Die rechtliche Lage ist die…sei smart, sag nix und nimm dir einen Anwalt! Alles andere liegt im Ermessen des Richters. Man sollte nie glauben man sei imun gegen alles und jeden. In Österreich kann es auch zu reinen Indizienurteilen kommen.

Vielen Dank für das Interview, Du hast das letzte Wort!

Ich danke auch…Das letzte Wort?….Je mehr Käse desto mehr Löcher,
je mehr Löcher, desto weniger Käse!
 Fazit: Je mehr Käse, desto weniger Käse! Grüße und Kuss an meine Familie und Freunde von Österreich bis nirgendwo! “Bis boid, mochtses guat” & keep on rockin´!


Posted: 23. Januar 2012