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INTERVIEW – SatOne

Seit wir uns im März 2012 mit SATONE für unsere 5 MINUTES Episode getroffen haben sind wieder einige Monate vergangen. Nach seinen zahlreichen Reisen nach London, der IBUG, dem See No Evil Festival 2012, Kolumbien, der Carhartt Gallery und seinem aktuellen Besuch in Indien hat sich der Münchener Graffitikünstler eine Stunde Zeit genommen um mit uns einen Smalltalk abzuhalten. Über seine diesjährige Zusammenarbeit mit ACID79 und ROIDS und einiges mehr.

Rafael, lass uns noch mal kurz zurück gehen, nach London. Wie ist es zu der Zusammenarbeit mit ROIDS gekommen?

Für die erste Kooperation mit jemand „ Fremden“ finde ich, ist es eigentlich ganz okay geworden. Im Nachhinein, nach paar Wochen ist man ja dann immer sehr kritisch und entscheidet dann ob es einem endgültig gefällt oder nicht. Letztendlich bin ich zufrieden!

Erzähl mal mehr zum Motiv der Wand

Roids hat die Buchstaben ‘Roids’ und ‘Sat’ dargestellt und an dem Hintergrund haben wir zusammen gearbeitet. Durch diese ‘Landschaft’ bewegt sich eine Figur die sich an dem R den Kopf angeschlagen hat und blutet über das ganze Gesicht und verteilt sich dann noch mal durch einem Bewegungsablauf durch diese Buchstabenlandschaft.

Wurden die Entwürfe unabhängig voneinander gemacht und an diesem einem Tag flexibel zusammen gesetzt?

Nein, ich habe eine Zeit lang bei ihm verbracht und wir haben uns da schon nachmittags zusammen gesetzt, gezeichnet und im Photoshop paar Sachen vorbereitet und das so nach und nach zusammengefügt, aber der Großteil ist dann direkt an der Wand entstanden.

Du hast vor einigen Wochen im Interview mit dem Acclaim Magazine von einer Art Wende so um das Jahr 2000 erzählt. Du hast angefangen mehr in Themen und Motiven zu denken und den Bildern mehr Aussage zu geben. Kommt das über Nacht?

Nein ich denke nicht. Klar, es war nach 10 Jahren schon was anderes, es ist mehr geworden als nur ein Hobby. Das Ganze macht mittlerweile einen sehr großen Teil meines Lebens aus und beeinflusst mich, und natürlich umgekehrt. Und das man natürlich auch hinterfragt warum man das Ganze macht und warum man weiterhin seine Zeit in irgendwas investiert was es so eigentlich nicht entspricht. Da ist es mir halt wichtig was zu zeigen was eher meinem Charakter oder meinen Träumen oder meinen Ansichten entspricht. Also ich kann jetzt mehr hinter meinen Arbeiten stehen als noch vor ein paar Jahren.

Viele Graffiti- und Streetart Künstler zerbrechen sich den Kopf über das was in 10 Jahren passieren soll. Gibt es diese klaren Zielsetzungen bei Dir auch und handelt man danach?

Das ist ein sehr komplexes Thema, eher nicht. Wie eben erwähnt nimmt das Ganze einen großten Teil meines Lebens ein, in dem ich ja auch weiter kommen will und diese Entwicklung auch in meiner Malerei sehen möchte. Also versuche ich schon etwas zu planen. Vieles hat sich allerdings, zurückblickend auf die letzten Jahre, spontan ergeben. Also ohne einen ‘Masterplan’, Ich habe nichts strategisch entwickelt, also im Sinne von.

Wie ist das bei Leinwandarbeiten oder Prints?

Naja, das ist schon was anderes. Wenn man eine Zeichnung macht, eine Zeichnung für einen Siebdruck, glaube ich kommt schon der Gedanke: Würde das auch funktionieren auf nem T- Shirt oder als Sticker zum Beispiel? Aber grundsätzlich bedeutet für mich die Wiederholung von etwas eigentlich etwas Negatives. Also ich esse ja auch nicht jeden Tag ne Pizza. Das versuche ich generell zu vermeiden. Aber ich glaube da ist auch ein großer Unterschied zwischen vorausschauend denkend und irgendwas genau zu berechnen.

Das stimmt

Die Sache ist mir einfach zu heilig. Ich sprühe jetzt seit 20 Jahren, hab auch schon früher als Kind gezeichnet. Dieser persönlicher Ausdruck, die Sache, dieses Glück davon auch Leben zu können will ich nicht überstrapazieren oder irgendwas machen was vielleicht dann in zwei bis drei Jahren einen Hype hat, dann aber innerhalb von wenigen Monaten wieder abflacht. Sprich gewisse Dinge langsam entwickeln und vielleicht langfristig erfolgreich sein ist meiner Meinung nach der bessere Weg.

Wenn du die Möglichkeit hast in der Stadtmitte von München, im Zentrum, den “the perfect spot” zu bemalen, machst du dir da Gedanken was da im Umfeld so passiert, wer dein Bild da sieht und was das für einen Einfluss auf die Leute haben könnte?

Ja also ich würde mir die umliegende Architektur anschauen und dazu auf jeden Fall Gedanken darüber machen, aber von den Leuten….

…spielt keine Rolle?

Eigentlich nicht. Wie gesagt inhaltlich ist das was anderes, aber rein von der Optik her, male ich jetzt keine Totenköpfe oder grimmigen Gesichter. Also ich hatte da z. B. ein Beispiel in Spanien. Da hatte ich so ne Landschaft gemalt und habe diese Struktur der einzelnen Balkone aufgegriffen. Das ist wie eine Kommunikation zwischen des ersten und zweiten und des Grundgeschosses. Und da kam eine alte Frau vorbei und hat dieses Bild auch so gedeutet. Das es halt was mit Kommunikation zu tun hat und da habe ich für mich was erreicht, die Leute machen sich schon Gedanken darüber. Und deshalb meine ich auch ja dass man gewisse Sachen noch subtiler darstellen könnte.

Also was Menschen die Deine Bilder ind er Öffentlichkeit sehen letztendlich darüber denken ist Dir soweit egal und Du würdest Dir auch nichts diktieren lassen

Nee, ich würde jetzt nicht am beispielweise Münchener Marienplatz die Wand mit Bierkrügen oder typischen Dingen bemalen, das wäre dekorativ und nichts für mich. Wie ich das auch schon im März bei unserem Treffen für das 5 Minutes Video gesagt habe, so eine Arbeit ist für mich auch immer eine Momentaufnahme meines Lebens oder eines Zeitabschnittes. Ich mache mir da immer sehr viele Gedanken vorher. Dort war es diese Familie, die ich gezeigt habe. Beziehungsweise bestimmte Familienstrukturen, Dinge die in mir ablaufen oder eben abgelaufen sind.

Du hast kürzlich mit ACID79 zusammen eine schöne Wand gemalt. Da treffen ja 2 Menschen aufeinander, die zumindest von außen betrachtet, komplett verschieden sind. Macht sich das bemerkbar wenn man da zusammen arbeitet?

Das Einzige was ich dazu sagen kann, er ist auch so ein Perfektionist wie ich, was Umsetzung und Farbwahl betrifft. Er ist ein Mensch der sich viele Gedanken über seine Arbeit macht, bevor er loslegt. Es ist grundsätzlich so, dass mir die Stadt München und die lokale Graffitiszene ein wenig fremd vorkommt. Mit ganz ganz wenigen habe ich das Gefühl die Arbeit könne in sich und zusammen harmonieren. In Bezug auf Formsprache und Umsetzung ist er eigentlich einer der wenigen wo ich mir gedacht habe okay das könnte so funktionieren.

Ja das passt erstaunlich gut, auf jeden Fall.

Weil er auch die Buchstaben sehr abstrahiert oder sehr organisch darstellen kann. Ich dachte mir okay das passt ganz gut und so ist auch die Zusammenarbeit entstanden. Also mit vielen anderen kann ich mir das einfach nicht vorstellen. Das mit ROIDS hat auch sehr gut geklappt.

Vielen Dank für das Interview, den zweiten Teil und ein neues Video mit Dir und einer neuen Arbeit kommt dann im in Kürze!


SATONE / Public Provocations IV



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Posted: 27. Dezember 2012