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WERTICAL Interview mit HENDRIK ‚ECB‘ BEIKIRCH


Das WERTICAL Team hat Hendrik ecb Beikirch in seinem Atelier in Koblenz besucht und durfte ihm während der letzten Vorbereitungen zu seiner kommenden Ausstellung ‚Transsib – Greyhound‘ in der Kölner Galerie Ruttkowski68 über die Schultern schauen sowie einige Fragen stellen! Die Ausstellung startet am 05.April 2013


Hendrik Beikirch, der auch unter seinem Künstlernamen ECB bekannt ist, beweist mit seinen Arbeiten immer wieder, dass Graffiti Kunst ist. Anstatt Bilder, die ursprünglich auf Wänden oder Zügen entstanden sind, schlicht auf andere Medien zu kopieren, bleibt der Koblenzer seiner eigenen Bildsprache treu. Das Ergebnis sind Porträts, die er auf Haus-, Leinwänden und Papier anfertigt. Letzten Sommer sorgte er mit seiner Arbeit auf einer 70 Meter hohen Wand in Busan/ Korea für Aufsehen – nicht nur wegen der Größe, sondern auch wegen der Message: das Porträt auf der Wand zeigt einen der vielen Fischer, die momentan aus ihrem Hafen in Busan vertrieben werden, um den Platz für neue Hochhauskomplexe zu räumen. Die Fischer können dagegen nichts tun, weil sie nicht gehört werden. Hendrik Beikirch hat ihnen durch seine Wandarbeit eine Stimme und Aufmerksamkeit gegeben.

Hendrik Beikirch wird ab dem 05. April in der Kölner Galerie Ruttkowsi;68 ausstellen. Transsib – Greyhound. Paintings from train and bus rides heißt seine Ausstellung, die neueste Arbeiten zeigt. Wie der Titel suggeriert sind sie von zweierlei Begegnungen inspiriert: von seinen Fahrten mit Russlands Transsibirischer Eisenbahn und Amerikas Greyhound-Bussen. Beides sind Fortbewegungsmittel der Arbeiterklasse, die verbinden und annähern – Menschen, Orte, Ost und West. Bis auf kleine Details ist es in Beikirchs Arbeiten schwierig auszumachen, wer von Osten und wer von Westen kommt. Wie in seinen früheren Graffiti-Arbeiten, lässt Beikirch Grenzen verschwimmen.

WERTICAL hat einen Tag mit Hendrik Beikirch / ECB in seinem Heimatort in der Nähe von Koblenz verbracht und mit ihm über seine Kunst gesprochen.

Deine Arbeiten sind sehr perfektionistisch oder besser gesagt perfekt.

Zumindest versuche ich perfekt zu arbeiten, sozusagen nach dem perfekten Bild zu streben. Das ist mir Motivation und Antrieb zugleich.

Heißt das wir können mehr erwarten?

Luft nach oben gibt es immer …

Was ist mit der körperlichen Fitness?

Für mich ist es wichtig auf einem bestimmten Fitness-Level zu sein. Vor allem wenn ich an einer großen Wandproduktion arbeite und ein Tag aus 14 bis 16 Stunden Arbeit besteht. Das würde mir wesentlich schwerer fallen wenn ich nicht körperlich fit wäre.

Zumindest würdest du nicht so schnell arbeiten wie du es tust.

Ich kann zwar innerhalb kurzer Zeit grössere Wandbilder fertigstellen, aber dennoch ist es mir immer wichtig über mehrere Tage hinweg arbeiten zu können. Ich schätze die Nacht als Unterbrechung und den neuen Blickwinkel am nächsten Morgen.

Stellst du dir einen Zeitplan zusammen nachdem du dann Tag für Tag arbeitest?

Ich habe keinen wirklichen Zeitplan, mittlerweile aber meine eigene Strategie, der ich folge: mit den groben Umrandungen gebe ich eine erste Richtung vor. Danach modelliere ich Räumlichkeit durch Licht und Schatten, wobei ich mit der dunkelsten Farbe beginne. Zuletzt füge ich meine Schrift hinzu, meistens in Weiss.

Gibt es schon Pläne bezüglich zukünftigen Projekten?

Ich finde es spannend mit Dimensionen zu arbeiten. Wie anfangs gesagt ist nach oben hin immer noch Luft. Ich habe 30 und auch 70 Meter hohe Wände bemalt, ich würde meine Kunstwerke auch gerne auf 100 Meter Höhe oder mehr vergrößern.

Das ist definitiv ein Talent, das nicht jeder Künstler beherrscht. Wie beginnst du mit einer so großen Arbeit. Machst du mathematische Berechnungen oder ist es eher dein Gefühl, dass sich auf eine gewisse Größe einlassen muss?

Wenn ich mit einem Hubsteiger arbeite nähere ich mich mittels den ersten groben Vorzeichnungen dem Bild an, dabei verlasse ich mich auf mein Gefühl. Es besteht ja auch immer die Möglichkeit, Abstand zu nehmen und das Ganze aus der Distanz zu betrachten. Aus der sind Fehler oder Unstimmigkeiten wesentlich leichter zu erkennen. Ist die Wand eingerüstet, benutze ich das Gerüst als Maßstab beziehungsweise als eine Art Raster. Das funktioniert durch die einzelnen Etagen sehr genau, jedoch sieht man die gesamte Arbeit erst wenn das Gerüst komplett abgebaut ist. Einen Hubsteiger zu benutzen kommt meiner Art des Arbeitens daher sehr viel näher.

Gibt es jemanden, der dich besonders beeinflusst?

Ja, dies ist jedoch keine Person im speziellen. In meiner künstlerischen Sozialisation spielte klassisches Graffiti sicherlich die entscheidende Rolle.

Seit einigen Jahren werden Street und Urban Art ziemlich gehypt. Gehören diese Stile deiner Meinung nach in die Galerie oder sollten sie eine illegale Ausdrucksform bleiben?

Meiner Meinung nach ist der Galerie- oder Museumskontext eine Bereicherung. Ich denke die Diskussion um legal oder illegal ist im wesentlichen überholt.

Graffiti ist eine zeitgenössische Kunstform. Noch gibt es keine wirkliche Meinung über gut oder schlecht. Meinst du die Spreu wird sich noch vom Weizen trennen?

Ob wir über Graffiti oder Street Art sprechen – beide Disziplinen spiegeln unsere Gesellschaft wider. Wir stehen als Kunstform erst am Anfang, ich denke es bleibt auf jeden Fall spannend und auch da ist noch besagte Luft nach oben …


Hendrik Beikirch

Transsib – Greyhound. Paintings from train and bus rides

April 5 – May 19, 2013

Ruttkowski:68
Bismarckstr. 68
50672 Cologne Germany

Mon, Wed-Fri: 15h00 to 20h00
Sat, Sun: 17h00 to 20h00
Tue: closed / viewings by appointment only


Interview: Wertical.com / Wertical auf Facebook / Photos: Nils Müller / ecb Blog


Posted: 27. März 2013