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NEWS – Paris lässt Street Art zensieren

Mitarbeiter der Stadtreinigung in Paris sind angewiesen worden, politische Botschaften von Graffiti und Straßenkunst zu entfernen, darunter auch mehrere Wandmalereien, die das französische Gesetz gegen Urheberrechtsverstöße, beziehungsweise die dafür verantwortliche Behörde Hadopi, kritisieren, berichtet Torrentfreak.

sampsa

Paris lässt Street Art zensieren

Die „Hohe Behörde für die Verbreitung von Werken und den Schutz von Internetrechten“ (Hadopi) hat eigentlich den Schutz von Künstlern und deren Werken zur Aufgabe, weshalb es durchaus einer gewissen Ironie nicht entbehrt, dass nun Straßenkunst, die das Dreistufenverfahren der französischen Regierung kritisiert, zensiert wird, wie Torrentfreak herausstellt.

Zum Hintergrund: In Frankreich ist seit Anfang 2010 eine Behörde aktiv, die auf Grundlage des Gesetzes gegen Urheberrechtsverstöße das sogenannte „Three-Strikes-Verfahren“ anwendet. Das Gesetz sieht vor, dass bei festgestellten Verstößen zuerst zwei Mal verwarnt wird – zuerst per Mail, anschließend per Einschreiben – bevor ein Gerichtsverfahren eingeleitet wird, sollte eine IP-Adresse zum dritten Mal im Zusammenhang mit Urheberrechtsverstößen erfasst werden. Bis Juni 2013 verschickte Hadopi mehr als 1,2 Millionen dieser Verwarnungen an französische Bürger. Kommt es zu einer Gerichtsverhandlung, werden in der Regel Geldstrafen und zeitweilige Sperrungen des Internetzugangs verhängt. Wie die Chefin der Behörde, Mireille Imbert-Quaretta während einer Pressekonferenz vor zwei Jahren mitteilte, seien bis dato nur 14 Akten an Gerichte übergeben worden. Zu einem Verfahren sei es nur in Ausnahmefällen gekommen.
Schrift übermalt, Bild nicht angetastet

Neue Aufmerksamkeit bekommt die Geschichte durch Straßenkünstler Sampsa, der in Paris auf vielen öffentlichen Wänden mit Spraydose und Schablone gegen Hadopi wettert. Doch die Pariser Verwaltung ist offenbar weniger von den Werken angetan, weshalb die Mitarbeiter der Stadtreinigung angewiesen wurden, die politischen Botschaften zu überpinseln. Richtig gelesen, nur die politischen Botschaften. Es handelt sich demnach nicht um eine klassische Maßnahme gegen vollgesprühte U-Bahnen, sondern ganz eindeutig um Zensur. Wieso sonst lassen die Mitarbeiter der Stadtreinigung das eigentliche Kunstwerk unangetastet und malen penibel nur über den „schriftlichen Teil der Botschaft“? Dazu sei angemerkt, dass es sich nicht um eine gezielte Aktion der Stadt gegen Sampsa und seine Botschaften handelt, auch andere Straßenkünstler werden zensiert.

Für Sampsa ist die Zensur (und die damit einhergehende Aufmerksamkeit) natürlich nicht unangenehm. Zwar sei er enttäuscht, dass seine Arbeit zerstört worden sei, nichtsdestoweniger wolle er die anstehenden Änderungen an Hadopi zum Anlass nehmen, auch weiterhin lautstark, beziehungsweise bildgewaltig, gegen die Maßnahmen der französischen Regierung zu protestieren. Das „Three-Strikes-Verfahren“ soll in Frankreich künftig in einen automatisierten Prozess umgewandelt werden.

Quelle: Gulli.com
Foto: 49999.org/pictures-and-graphical-elements


Posted: 18. Februar 2014