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MIAMI – Farbiger Graffitisprüher von Polizei überfahren

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Steine, Flaschen, Rauchbomben: Die Debatte um Polizeigewalt in den USA wird mittlerweile immer heftiger ausgetragen. Die Proteste richten sich gegen die Entscheidung einer Geschworenenjury in New York, einen weißen Polizisten nicht wegen des Erstickungstodes eines unbewaffneten Schwarzen anzuklagen. Seit dem Beschluss kam es in mehreren Städten zu täglichen Protesten, darunter in Seattle, Chicago, Las Vegas und Miami.

Von dort kommt auch eine aktuelle Meldung zum Tod von Delbert Rodriguez Gutierrez. Ein farbiger 21jähriger Graffitisprüher, der von der Polizei am 05.12.2014 verfolgt und mit dem Streifenwagen an- und überfahren wurde. Gutierrez erlag wenig später seinen Verletzungen im Krankenhaus.

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Unklar ist ob Gutierrez, der unter dem Synonym DEMZ gesprüht hat, eine Erlaubnis hatte. Denn zeitgleich lief das Street Art Festival Wynwood Walls Projekt im Rahmen der Art Basel Miami. Zu diesem Zeitraum wurden im gesamten Viertel zahlreiche Wände von über 100 internationalen Künstlern bemalt.

Der junge Sprüher ist laut Detective Michael Cadavid geflüchtet, nachdem ein Polizeiwagen mit Blaulicht eingetroffen sei. Nach einer kurzen Verfolgung durch die Straßen von Wynwood wurde Gutierrez angefahren und stürzte. Mit schweren Kopfverletzungen und kritischen Zustand wurde er, angeblich „unverzüglich“, in das Jackson Memorial Hospital gebracht. Dort erlag er wenig später seinen Verletzungen. Der Detective spricht von einem Unfall, welcher unvermeidbar war.

Gutierrez´s Kumpel NEO erklärte gegenüber NBC6:

“He shouldn’t be in the hospital with a brain injury right now, he should be out here doing graffiti with me. He probably shouldn’t have ran, you know, considering that it is Wynwood and it’s an art district and everyone is basically doing graffiti, the cops might have just given him a chance,”

Die Polizeibehörde in Miami macht Delbert Rodriguez Gutierrez selbst verantwortlich für seinen Tod, mit zynischen Worten:

„Ich kann verstehen, wenn die Mutter des Junges nun wütend ist, aber auf jede Aktion folgt eine Reaktion. Und wenn er nicht geflohen wäre, hätte all das vermieden werden können. Ihr Sohn ist in unseren Gebeten“

sagt Javier Ortiz, Präsident der Miami Polizeigewerkschaft.

Der Tod von Gutierrez zeigt, das die aktuelle Berichterstattung in den Medien nur einen Bruchteil des Problems der Polizeitgewalt in den USA dokumentiert. Die Empörung über das Verhalten der Polizei gegenüber schwarzen Mitbürgern treibt mittlerweile tausende US-Amerikaner auf die Straße, überwiegend friedlich.

US-Präsident Barack Obama rief junge Bürgerrechtler seines Landes bei einem Treffen im Weißen Haus auf, Geduld zu bewahren. Es brauche Zeit, um so tief in der US-Gesellschaft verwurzelte Probleme zu überwinden, sagte Obama.

Die Aktivisten fordern Polizeireformen, damit solche Taten nicht mehr geschehen.

Quellen: NBC Miami, The Free Thought Project, All City


Posted: 12. Dezember 2014