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EL BOCHO – ‚Gesichter der Melancholie‘

Die Berliner Autorin Sarah Paulus und der Fotograf Rolf G. Wackenberg stellen den Street Art Künstler EL BOCHO in Wort und Bild vor, reinlesen könnt ihr euch unten, weiter geht´s hier im Blog von Sarah

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El Bocho: Gesichter der Melancholie

Es klackt. Die Kamera friert den Mann hinter der Maske ein. Kunst und Künstler vereint. Drum herum, in einem Atelier im Berliner Stadtteil Wedding, lagern Farben, Schablonen, Pinsel, Kartons und Leinwände. El Bocho, dessen Gesicht eben noch hinter einer Maske verborgen war, lässt sich in einen Sessel fallen und zieht die Kapuze seines Jumpsuits tief in die Stirn.

„Ich mach‘ eine Mischung aus Graphikinstallationen und Kunst. Auf der Straße, weil sie meine Kommunikationsplattform ist, in Kombination mit Leinwandarbeiten in der Galerie“, erklärt er sein kreatives Dasein. „Und ja, ich bin Künstler“. Anders jedoch als Leute, die Kunst studiert haben. Kein Maler, obwohl Farben zu seinem Metier gehören. Schwerpunkt des Schaffens sei vielmehr Kommunikation. Und die könne man auch mit anderen Mitteln betreiben.

Die Sache mit El Bocho ist, dass er sein Gesicht nicht vor Kameras zeigt. Dennoch mag er nicht unsichtbar sein. Schon allein deshalb nicht, weil ihm Feedback wichtig ist. Bei Vernissagen beispielsweise, wo er seinen Bildern dann doch ein zweites Gesicht gibt. „Mein Nachbar jedoch muss nicht wissen, was ich mache. Wenn man Interviews gibt, selbst bei einem Regionalsender, dann kannst du am nächsten Morgen nicht mehr zum Bäcker um die Ecke gehen, ohne dass du vollgequatscht wirst.“ Deshalb zeigen Fotos und Reportagen nie mehr als ein mit seltsamen Tüchern vermummtes Gesicht. Für den heutigen Fototermin jedoch haben Schere und Papier zu einem neuen Look verholfen.

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El Bocho wird Ende der 1970er Jahre in einer Hochhaussiedlung am Stadtrand von Frankfurt am Main geboren, wo er wohl behütet aufwächst. Viel malt, von Werbung fasziniert ist, Clips mit dem Kassettenrecorder aufnimmt, umdichtet und von einem kreativen Beruf träumt. Was das sein soll? Er hat keine Ahnung. Vielleicht Bücher illustrieren oder ein Job in der Werbung. „Meine Eltern haben meine Interessen relativ früh unterstützt.“ Anders als die Stadt. Für junge Leute gibt es damals kaum Möglichkeiten, sich auszuprobieren. Weder an legalen Graffitiwänden, noch in erschwinglichen Proberäumen oder Ateliers. Hier weiterlesen…

Text: Sarah Paulus
Foto/s: Rolf G. Wackenberg


Posted: 22. Januar 2015