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AUSSTELLUNG – ‚Style in Progress‘ – Ein Interview mit BATES

BATES aus Kopenhagen stellt ab 22.05.2015 in Soest unter dem Titel „Style in Progress“ aus. Wir haben uns mit dem dänischen Graffitikünstler über die Ausstellung, Graffiti, die neuen Leinwandarbeiten und einige weitere Dinge unterhalten und im Interview unten zusammengefasst. Viel Spass beim Lesen und wer die Zeit findet, sollte im Partisan Creative Corner vorbeischauen, es lohnt sich. Die Ausstellung läuft bis 19.06.2015.

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Unser letztes Treffen ist lange her, wie geht es Dir?

Ja das stimmt. Lang ist es her, nun mir geht es gut. Ich habe wie immer viel gearbeitet und gemalt die letzte Zeit, einige Dinge im Leben haben sich geändert.

Als ein Graffitikünstler der zweiten Generation der dänischen Graffitibewegung, bist Du einer der wenigen die immer noch diesen klassischen, traditionellen Stil folgen und malen. Wenn man auf Deine Pieces von bspw 1995, 2001 und 2007 schaut, sieht man zwar einen qualitativen Fortschritt aber die Art und Weise und der Gesamteindruck bleibt immer auf einer Linie und hat sich nie geändert über die Jahre. Hast Du jemals darüber nachgedacht, in eine andere Richtung zu gehen, so wie viele andere das aktuell machen. Speziell wenn es um Arbeiten auf Leinwand geht, Deine Arbeiten sind denen auf Wand sehr ähnlich und kaum verändert.

Ja das stimmt. Es gibt einige Elemente die ich immer und immer wieder verwende. Graffiti ist Style, ich nehme das Lettering sehr ernst, das steht für mich an erster Stelle. Anders könnte ich mir Graffiti nicht vorstellen. Ich experimentiere aber auch sehr viel, versuche neue Dinge, aber folge nicht den Trends, das überlasse ich anderen. Es hat viele Jahre gebraucht um da zu sein wo ich heute stehe. Was meine Leinwandarbeiten betrifft, hat es sehr lange gedauert bis ich die richtige Formel gefunden habe. Also wie ich meine Wandarbeiten auf ein kleineres Format bringen kann. Ich wollte mich dafür nicht verändern, also nicht diesen meist abstrakten Style malen, nur weil das Leinwandformat ein anderes ist.

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Mit der Ausstellung „Style in Progress“ möchtest Du Deinen künstlerischen Prozess der letzten 30 Jahre zeigen. Wie ist es möglich, das auf Leinwand zu zeigen? Die Kuratoren meinten, Du wirst zeigen, wie offen man mit neuen Ideen, Einflüssen Konzepten umgehen kann und wie man sich damit für die Zukunft weiterentwickelt. Wie ist das gemeint, was erwartet uns da?

„Style in Progress“ bedeutet für mich: experimentieren und neue Dinge auszuprobieren. Ich denke die Ausstellung wird genau das zeigen. Aber es ist eine unendliche Geschichte die da erzählt wird. Ich befinde mich auf der Suche nach der finalen, hundertprozentigen Formel und habe die bisher nicht finden können. Aber ich bin immer hungrig und versuche immer besser zu werden. Beispielsweise die Farbauswahl. Früher war das eine sehr spontane Sache, man hat die Reste des davor gemalten Pieces genutzt. Heute wähle ich Farben schon gezielter aus.

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Wie denkst Du generell über klassisches Graffiti in Galerien?

Ich glaube fest an eine große Entwicklung. Ich denke, Graffiti ist das nächste große Ding nach bspw der Pop Art. So viele Talente sind da im Untergrund herangewachsen die letzten 30 Jahre. Es ist Zeit diese Kunst der Öffentlichkeit zu zeigen und zu präsentieren. Lasst uns mit dieser Kunst die Welt erobern.

Bist du immer noch viel auf Reisen?

Ja. Reisen ist für mich wichtig, um Neues zu sehen, um zu lernen und mit anderen Künstlern zu malen. Ich liebe es neue Städte und Kulturen kennenzulernen, eine gute Zeit zu haben. Du fühlst Dich sehr lebendig auf Reisen. Es ist auch immer wieder schön, positives Feedback auf meine Arbeiten zu bekommen. In meiner Heimat ist das ja mittlerweile etwas anders, niemand sagt da „dies und das ist sehr gut“ oder „dies und das hat mich inspiriert“ oder „dieses Piece da ist großartig“.

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Gibt es Einflüsse, die Dir wichtig waren und sind?

Ich bin immer sehr offen für Einflüsse und Ideen. Das ist auch der Grund warum ich mich nie eingeschränkt habe, mit wem und wo ich male. Ich habe mit Graffitikünstlern der verschiedensten Disziplinen gemalt, ob Hardcore Trainwriter, Mural Künstler, Grafik Designer, Konzeptkünstler oder diese vielen, auf Buchstaben konzentrierten Writer. Glaubt mir, ich habe das genauestens studiert und kenne diese Kultur und welche Rolle New York darin spielt und gespielt hat. Ich hoffe ihr werdet das in der Ausstellung sehen und etwas Zeit investieren. Vielleicht ist es dem ein oder anderen sogar eine Investition wert.

Wie können wir uns die Vorbereitungen für eine Ausstellung vorstellen? Wieviel Zeit investierst Du in die Leinwandarbeiten? Du bist ja immer noch viel unterwegs in der Welt, malst oft draussen in der Straße. Setzt Du da heute andere Prioritäten, Leinwandarbeiten brauchen ja auch viel Zeit oder?

Ich habe mich gut vorbereitet für diese Ausstellung, und ich denke es wird euch gefallen. Meine oberste Priorität in den letzten Wochen war das Arbeiten im Atelier. Da habe ich auch in Kauf genommen, weniger in der Straße oder Wand zu malen. Es ist ja auch gut diesen Kreis mal zu unterbrechen, sich selbst herauszufordern und neue Dinge auszuprobieren. Natürlich muss man in der richtigen Stimmung sein, aber ich habe Disziplin und bin da auch mit der entsprechenden Einstellung rangegangen.

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BATES zeigt sich der Öffentlichkeit nicht, das ist auch heute noch so, Niemand kennt Dein Gesicht, wird das auch in Zukunft so bleiben? Mit mehr und mehr Ausstellungen?

Ich bin mit der Anonymität in der Graffitikultur aufgewachsen. Das Mysteriöse, nie in Fotos zu erscheinen. Ich mag das, meine Privatsphäre ist mir wichtig. Ich möchte auf der Straße nicht erkannt werden, im Supermarkt keine Autogramme in Blackbooks geben. Ich möchte kein Graffiti Superstar sein und wollte es auch nie. Ich bin nur ein Graffitikünstler, so wie ihr auch.


Vielen Dank für das Interview und alles Gute für die Ausstellung!

Danke euch!

+++

„art is just a four letter word“ und der Partisan Creative Corner (Markt 6, 59494 Soest) zeigt ab 22.05.2015 (Vernissage, FB Event) und bis 19.06.2015 die Ausstellung „Style in Progress“ mit aktuellen und neuen Arbeiten des dänischen Graffitikünstlers BATES. Nach der BATES Ausstellung wird die Galerie im Rahmen der Serie „Attitudes in Motion“ und weiteren Shows Arbeiten von JAN KALAB, MOST, FRAU ISA, SOBEKCIS, PAUL DU BOIS – REYMOND & SUPER A/P WINKEL zeigen.

Website Galerie: artisjustafourletterword.com
Website Künstler: greatbates.com

Photos: Yoshi, Frank „Steam 156″ Malt, BATES

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Posted: 9. Mai 2015