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USA – INDECLINE und das „größte Graffiti der Welt“

Vor einigen Wochen ist auf einer ungenutzten Landebahn in Kaliforniens Mojave-Wüste das „größte illegale Graffiti der Welt“ entstanden. So zumindest bezeichnen die Urheber von INDECLINE die Arbeit, die eigentlich sehr wenig mit Mural Art oder Graffiti zu tun hat.

INDECLINE ist ein Haufen aus Fotografen, Aktivisten (Bumfights), Musikern und wohl auch Graffitikünstlern (Videoserie LEGALIZE CRIME). Hinter dem Projekt stehen natürlich auch kommerzielle Interessen (Label & Online Shop Anbindung).

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Summa Summarum geht es bei dem Projekt nicht um Graffiti, sondern darum, viral auf das Internet zu wirken. Der Schriftzug „THIS LAND WAS OUR LAND“ wurde auf eine ungenutzte Landebahn in Kaliforniens Mojave-Wüste gemalt, also „in the middle of nowhere“. Die Bezeichnung „illegal“ verdient es also nur, weil es eben nicht offiziell war. Die Truppe war sechs Tage in der Wüste, mehr als 950 Liter Farbe wurden angerührt und vermalt, der Claim erstreckt sich über fast einen Kilometer.

Wer „vom Fach ist“ kann das auch dann entsrechend kommentieren, die VICE beispielsweise schreibt: „…damit ist es etwa doppelt so lang wie das MTA Piece am L.A. River, das bis zu seiner Entfernung als das größte illegale Graffiti der Welt galt.“

So eine Arbeit mit dem MTA Piece zu vergleichen, ist wie ein nachts entstandenes Train Panel Piece mit einem Hall of Fame Piece zu vergleichen. Liebe Vice, das MTA Piece ist unter völlig anderen Voraussetzungen entstanden. Im Gegensatz zu INDECLINE´s Arbeit in der Wüste, wurde die MTA Crew wegen deren Piece am L.A. River verfolgt und letztendlich auch verhaftet. Die Reinigung erfolgte durch die U.S. Army und soll rund 3,7 Millionen Dollar gekostet haben. Dagegen sieht die Wüstenaktion aus wie ein kleiner Kinderstreich. Vergessen wir auch nicht das riesige Piece „Can you see us from outter Space“ von der norwegischen FOS Crew oder Santiago Sierra´s „S.O.S.“ in der algerischen Wüste, welches vor drei Jahren entstanden ist.

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Egal, uns interessiert nun eigentlich nur noch, warum INDECLINE das Piece in der Wüste erschaffen hat.

Die Aktion hat laut INDECLINE an die 20.000 Dollar gekostet, wer das finanziert hat, ist nicht bekannt. Im Einsatz waren sechs Hochleistungslaubbläser und eine Konstruktion aus Maschendraht, die mit Gewichten beschwert wurde, hinten an einem Truck befestigt und dann stundenlang über die Landebahn geschleift wurde. Kurz vor der Fertigstellung ist laut INDECLINE eine Militärmaschine über dem Team in der Wüste gekreist, aber dann doch desinteressiert wieder abgezogen. Verhaftet wurde niemand.

„Es ging uns um Relevanz. Wir hatten eine Menge Messages, die im Raum standen. Es spielte dann aber vor allem mit rein, dass das Piece wahrscheinlich bei Google Earth gesehen werden kann, also wollten wir auch etwas machen, bei dem es um die Erde ging. Wir entschieden uns also für den Klimawandel. Wir sind große Fans von Woody Guthrie und dem ursprünglichen Song „This Land was our Land“, den er geschrieben hat — die meisten Leute kennen den Text dazu gar nicht. Hier in Amerika singt man nur noch die abgeänderte Version. Wir wollten das also mit der Message verbinden, dass uns die Erde eigentlich allen gehört und wir sie uns von anderen Leuten haben wegnehmen lassen. „

Diese Aktion ist auf jeden Fall erwähnenswert, aber diese Ausrufezeichen und ständig schallenden Superlativen, diese Vergleiche von Äpfel und Birnen, die nerven.

Hier das Video der Aktion.

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Posted: 6. September 2015