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INTERVIEW – „From Lake Geneva to the Finland Station“ – EGS [DEUTSCH] 10/2015

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Es ist immer wieder spannend zu sehen, in welche Richtung sich gestandene Graffitikünstler entwickeln können, wenn das Medium und Format mit der Zeit gewechselt wird. So auch im Fall von EGS aus Helsinki, der schon Ende der Achtziger Teil der ersten großen Graffitiwelle in Finnland war. Seine Arbeiten in Atelier und für Ausstellungen heben sich sehr klar ab von dem was er seit Jahrzehnten in der Straße oder auf Zügen malt. Wir haben kürzlich neue EGS Arbeiten in seiner Ausstellung in der Kopenhagener LE FIX Gallery gesehen, und dabei von der kommenden Ausstellung in Soest erfahren. Unser kurzes Interview mit dem finnischen Graffitikünstler erklärt, um was es bei „From Lake Geneva to the Finland Station“ geht und einige Hintergründe zu seiner Geschichte. Wer die Ausstellung besuchen möchte, fährt zwischen 09.10.2015 und 06.11.2015 nach Soest in den Partisan Creative Corner (Markt 6). Mehr Informationen hier auf artisjustafourletterword.com


EGS – R-Collection Ausstelung 2014 im Helsinki Design Museum


EGS, Du bist ein Graffitikünstler aus der ersten Generation in Finnland oder? Kannst Du Dich an die Zeit noch erinnern? Wie würdest Du die ersten Schritte der finnischen Graffitiszene heute beschreiben?

Ich würde behaupten Teil der zweiten Generation zu sein. Die ersten Graffiti gab es in Finnland bereits 1984, ich habe um 1986 angefangen und erste Bilder gemalt. So richtig angefangen hat es dann 1987/88 und ich malte meine ersten Züge um 1989/1990. In den späten Achtzigern war ich aber eher noch Zuschauer, hab viel mit den Sprühern rumgehangen, fotografiert und auch ein wenig gemalt. Aber noch nicht so wirklich viel.

Also ging es erst so um die 1990er los?

Ja, ich denke in Helsinki habe ich mir genau in dieser Zeit einen Namen gemacht, in den frühen Neunzigern habe ich viel an der Metro und Regioline gemalt, ein wenig Hall of Fame und auch viele Züge. Das war die Zeit, in der ich sehr viel probiert und meinen Stil herausgearbeitet habe.

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Wie erklärst Du Dir die doch sehr unterschiedliche Stil-Entwicklung in Finnland und Skandinavien im Bereich Stylewriting, im Vergleich zur Entwicklung in Mittel- oder Westeuropa?

Ich denke ein wichtiger Faktor ist, wie regional diese Entwicklung vor dem Internet war, obwohl auch damals schon Fotos untereinander ausgetauscht wurden und es einige Graffiti Magazine gab, war der Einfluss von aussen nicht so groß. Was aber Einfluss auf die Entwicklung genommen hat, ist die Geschwindigkeit, mit der man hier in Skandinavien zum Teil malen muss. Das sieht man den Buchstaben an.

Du selbst hast mit Deinem Stil ja auch die Entwicklung und Graffiti in Finnland stark mit beeinflusst, ist Dir das so bewusst?

Ja schon, auf Reisen habe ich das beispielsweise bemerkt, wenn viele Deinen Namen und Deine Arbeiten kennen, das ist ein gutes Gefühl.

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Wie wir alle wissen, ist die Gesetzeslage in Finnland bzw ganz Skandinavien viel strenger und härter als hier in Deutschland zm Beispiel. Hast Du damit Deine Erfahrungen schon machen dürfen?

Ja klar, ich hatte auch so meine Erfahrungen in den Neunzigern und Anfang der 2000er. Ich denke aber das Schlimmste war die Wirkung auf die normale Öffentlichkeit, es wurde ein hoch kriminelles Bild von Graffiti gemalt und Sprüher wurden ausgegrenzt. Da war kein einziges positives Detail in Bezug auf Graffiti. In den letzten 6 bis 7 Jahren hat sich das aber normalisiert und die Leute werden immer offener.

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Du stellst ja in Kürze unter dem Titel „From Lake Geneva to the Finland Station“ in Soest aus, war verbirgt sich dahinter und was für Arbeiten hast Du dafür vorbereitet?

Der Titel basiert auf einer Reise von Lenin, der im Laufe des ersten Weltkrieges auf dieser Route von Deutschen bis nach Russland geschleust wurde. Signifikant, denn das hat letztendlich wesentlich zur Herbeiführung der russischen Revolution beigetragen. „From Lake Geneva to the Finland Station“ ist aus ”West End Girls”, einem Song von den Pet Shop Boys. Das Lied bzw die Lyrics waren inspiriert vom Buch „To the Finland Station“ von Edmund Wilson, eine sehr bekannte Lektüre über die Geschichte von Revolutionen und Sozialismus.

Meine Arbeit beschäftigt sich mit derartigen Dingen, also mit Identität, Geschichte, dem immer fortwährenden geografischen und politischen Wandel. Dieses Interesse habe ich verbunden mit meinen Reisen auf denen ich immer und immer wieder meinen Namen malte. „From Lake Geneva to the Finland Station“ zeigt daraus resultierende Artworks, wie zum Beispiel Skulpturen, Signature Style Map Paintings oder abstrakte Typografie.

Sind die Arbeiten für „From Lake Geneva to the Finland Station“ speziell für die Ausstellung entstanden oder arbeitest Du da anders?

Ja die meisten Arbeiten sind speziell für „From Lake Geneva to the Finland Station“ entstanden. Ich bin wirklich sehr zufrieden mit den Ergebnissen, speziell mit einer Skulptur die ich in Soest zeigen werde.


Wie ist es eigentlich zur Zusammenarbeit mit art is just a four letter word gekommen?

Ich glaube die haben meine Arbeiten auf der Cologne Art Fair gesehen vor einigen Jahren, und mich dann später kontaktiert.

Vielen Dank für das Interview und alles Gute für die Ausstellung!

EGS – „From Lake Geneva to the Finland Station“
Ausstellung: 09.10.2015 bis 06.11.2015
Galerie: Partisan Creative Corner
Adresse: Markt 6, Soest
Links: EGS Facebook, EGS Instagram


EGS, you are one of the first graffiti writers of Finland. How are your memories of the beginnings? How would you describe your first steps in the graffiti scene?

I would say I am the 2nd generation of finnish writers. The first guys started in 1984. I did my first painting in 1986 but got bit more serious in 1987/88 and did my first train piece in 89/90.
In the late 80s I was more of an observer in the scene. I hung out with a lot of writers, went checking all the new pieces, bombed and painted a bit myself too but never made it big.
I think I made my name in Helsinki in early 90s when I started to paint a couple of times a week along subway and commuter lines, hall of fames and trains. This the time I also started develope some personal styles.


How do you explain the kind of different and unique development of the finish or scandinavian Graffiti scene, especially compared to other international stylewriting evolutions?

I think that the basic reason for this is that styles stayed pretty local until graffiti on the internet. Ofcourse writers have always traded photos of their work with each other and there were fanzines and magazines but until 2000s you could pretty much tell by the style where a writer was from. I think finnish and other scandinavian styles were shaped by the need of painting fast.

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You belong to a handful of Graffiti artists, who have strong influences over following generations in Finland and Scandinavia. Are you aware of that?

I have noticed that when traveI know people often know my name and work. That feels nice.

There should be some strict rules of the government concerning graffiti in Finland. I daresay that you got into trouble with these laws as well, didn´t you?

I got my share of attention from the authorities in 90s and early 2000.
I think the worst thing was that it affected the minds of general public. Writers were potrayed as big time criminals and out cast. Nothing positive could be linked to grafiti. During last 6-7 years the atmosphere has got more open and even positive towards graffiti art.

Could you explain the title of the show „From Lake Geneva to the Finland Station“? What kind of works did you prepare for that show?

Title of the show refers to the train route taken by Lenin when he was smuggled by the Germans to Russia during the First World War, a pivotal event in the Russian Revolution.
The famous line is written by Neil Tennant of Pet Shop Boys and appears on song ”West End Girls”. the lyric was inspired by the book To the Finland Station by Edmund Wilson, a very famous work on the history of revolutionary thought and Socialism. My works deal with issues of identity, history and ever changing political geography. Inspired by my personal travels painting my name around the world and my strong interest towards political history and geography. From Lake Geneva to the Finland Station exhibition includes EGS signature style map paintings, abstract typographic paintings and sculpture.

Are the works you will show in Soest specially made for this exhibition or are you working differently?

Most of the works are done for this show especially. I made them to work with the theme: „From Lake Geneva to the Finland Station“. I am very happy with the sculpture work I am showing.

How did the collaboration with art is just a four letter word came about?

I think they saw my works at Cologne Art Fair few years ago and later got in touch with me.

Thanks a lot for the interview and good luck with the exhibition!


Posted: 6. Oktober 2015