Just weist in seinem Blog auf Google Drive hin, ein Tool mit dem man durch navigieren der Richtungspfeile auf der Tastatur durch die Karten von Google Maps “fahren” kann. Alles harmlos. Da ist mir ein Hinweis eines Freundes eingefallen mir mal dieses Google Epic Video anzuschauen. Er meinte im Internet kursiere derzeit eine Zukunftsvision, bei der Google spätestens 2015 den Konkurrenten Microsoft als Bösewicht ablöst – und zusammen mit Amazon eine totalitäre Informationsdiktatur installiert haben soll, gegen die herkömmliche Medien und Menschen machtlos sind. Verschwörungstheorie hin oder her, das was uns Robin Sloan vom Museum of Media History versucht zu erklären ist zwar sehr kondensiert aber schildert einige komplexe Zusammenhänge im Hinblick auf eine völlig veränderte Mediennutzung und Nachrichtenverbereitung bis ins Jahr 2015. Das Ding ist meiner Meinung nach inhaltlich recht schwer verdaulich. Der Kurzfilm stellt einen fiktiven Rückblick aus dem Jahr 2015 dar. Es wird die Entstehung des Internets und der Firmen Amazon, Google und MSN beschrieben. Darüber hinaus zeigt der Film eine mögliche Weiterentwicklung der Konzerne über „Googlezon“ als Fusion von Google und Amazon bis hin zu „Google Epic“ und die damit verbundenen Möglichkeiten der Mitwirkung von jedermann an aktuellen Geschehen, aber auch der Einschränkung der Privatsphäre und geistigen Eigentums.
Einige prägnante Szenarien aus dem Film Epic 2015:2008 Die Nachrichtenkriege des Jahres 2010 fallen durch die Tatsache auf, dass keine echten Nachrichtenmedien teilnehmen. Googlezon und Microsoft bekämpfen sich durch das wöchentliche Ausbauen ihrer Dienste. Googlezon stellt Microsoft schließlich mit einem Feature, dem der Software-Riese nichts entgegensetzen kann. Mit neuen Algorhythmen durchsuchen Googlezons Rechner Geschichten nach Namen, Orten, Bildern und anderem. Sie isolieren Fakten aus Zitaten und verwandeln Statistiken in flexible Gleichungen. Googlezon sortiert, berechnet und kombiniert diese Bruchstücke dann neu mit unseren Informationen, Blog-Einträgen, Fotos, unseren Einkäufen und unserem Leben. Nachrichteninhalte sind umfassender als jemals zuvor.
2011 erwacht die schlafende vierte Gewalt, um ein erstes und letztes Mal aufzubegehren. Die New York Timesverklagt Googlezon mit der Begründung, Googlezons Tatsachen isolierende Robots seien eine Verletzung des Urheberrechts. Der Fall kommt bis vor das oberste Gericht, das am 4. August 2011 zugunsten von Googlezon entscheidet.
2014 geht die New York Times offline, ein schwacher Protest gegen die Vorherrschaft von Googlezon. Die Times wird ein nur noch gedruckt erhältliches Mitteilungsblatt für die Elite und die Älteren.
2014 bringt Google Epic (Evolving Personalized Information Construct) heraus. Das Evolving Personalized Information Construct ist ein System, durch das unsere ausufernde, chaotische Medienlandschaft gefiltert, geordnet und dem Nutzer geliefert wird. Jeder trägt bei, und viele werden jetzt auch bezahlt, proportional zur Popularität ihrer Beiträge – ein kleiner Teil nur der immensen Werbeeinnahmen von Googlezon. Epic stellt für jeden ein Content-Paket zusammen, das seine Vorlieben, seine Konsumgewohnheiten, seine Interessen, seine demografischen Faktoren und seine sozialen Bindungen nutzt. Bestenfalls ist Epic für seine klügsten Nutzer eine Zusammenfassung der Welt, tiefer, umfassender und nuancierter als alles vorher Erhältliche. Aber schlimmstenfalls ist Epic für allzu viele Menschen lediglich eine Ansammlung von Belanglosigkeiten, viele davon unwahr, alle begrenzt, flach und sensationslüstern.
Epic 2015
Ich weiche jetzt zwar vom eigentlichen Thema ab aber bleib trotzdem in der Spur. Warum macht China so etwas? Nun dafür gibt es viele Gründe. Grenzlinien zum Beispiel. Seit Februar 2007 gibt es bereits eine eigene chinesische Version von Google Maps (in China zensiert) namens Google Ditu und unterscheidet sich in der Darstellung der Grenzen Chinas. Während Google Maps die umstrittenen Grenzen zu Indien, Pakistan und Tadschikistan mit einer gepunkteten Linie kennzeichnet, stellt Google Ditu sie mit durchgezogenen Linien dar. Auch Taiwan wird dort klar als Teil Chinas betrachtet. Wenn man Google kontaktiert warum man Google Maps nicht so nutzen kann wie man es gewohnt ist bekommt man diese (wahrscheinlich standardisierte) Antwort“China restricts the export of geographical data. So there will be no API using Google Maps technology until the regulation is changed. Not a technical issue, a legal one. That’s right… you won’t be able to embed Google Maps into your website (satellite images do work, however)… and actually copying an image from ditu.google.com (say, a screenshot) onto your site may be questionable, legally.”
Zum anderen wird die Volksrepublik auf einmal auf Knopfdruck überschauber, gemeint sind Funde wie die von Hans Kristensen. Der Wissenschaftler entdeckte letztes Jahr bei Google Earth ein geheimes Atom-U-Boot in einer chinesischen Marinebasis. Bereits 2006 hatten Google-Earth-Nutzer Trainingsmethoden des chinesischen Militärs aufgedeckt, bei denen eine Strategie aus dem Apolloprogramm der Nasa kopiert wurde. Grund genug Google Maps zu zensieren. Google ist in China ein Internet Zwerg und das soll eben auch so bleiben.
Der Film, alles über Google berichtete ist natürlich eine völlig normale Reaktion auf groß Gewordenes, auf Dinge welche stark beeinflussen, vielleicht auf die Angst eines Tages von einer Suchmaschinge regiert zu werden. Tut mir leid wenn ich mal wieder etwas zu sehr ausgeholt habe und ein Thema anschneide welches sicher nicht neu ist. Aber es ging mir eben durch den Kopf nachdem ich mir den Film angeschaut habe (btw danke Franky für den Tipp) [TWISTER]
Quellen: TAZ vom 17.03.2006 (Textuszüge aus dem Film “Epic 2014”)


